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Öffentliche Führung

„S'isch reacht gwäe“
Cannstatter
Frauengeschichte(n) aus fünf Jahrhunderten - I Arbeitswelten, Emanzipation, Politik und Religion

Stadtmuseum Bad-Cannstatt 26.12.2017, 15:00 Uhr

„S’isch reacht gwäe“, musste der überraschte Kirchenpfleger der Gemeinde Schmiden zugeben, nachdem Lenore Volz die Kanzel nach ihrer Predigt wieder verlassen hatte und der Gottesdienst beendet war. Das war mitten im Zweiten Weltkrieg und „Fräulein Volz“, vollausgebildete Theologin, aufgrund der Richtlinien in der damaligen Landeskirche aber nur als „Pfarrgehilfin“ im Dekanat Bad Cannstatt angestellt, hatte ihre Sache gut gemacht. Allein wegen des kriegsbedingten Personalmangels hatte sie die Erlaubnis erhalten, das den Männern vorbehaltene Predigtamt in mehreren Gemeinden vertretungsweise zu übernehmen. Bis in die sechziger Jahre bemühte sich die Nachfahrin des Reformators Brenz mit Argumenten aus der Bibel und Mitstreitern beiderlei Geschlechts die Landeskirche davon zu überzeugen, auch Frauen für das Pfarramt zuzulassen. Als diese 1968 endlich Pfarrerinnen werden durften, fühlte sich Lenore Volz (1913-2009) zu alt für eine eigene Gemeinde und wurde 1970 Krankenhausseelsorgerin.

Dies ist eine von rund 50 Frauen-Geschichten aus Cannstatt, die in drei einander ergänzenden Ausstellungen, im Stadtmuseum Bad Cannstatt, in der Stadtteilbücherei Bad Cannstatt und in der Galerie Wiedmann, ab November 2017 bzw. Januar 2018 präsentiert werden. Die Biographien wurden in einem Team von Professionellen und Ehrenamtlichen erarbeitet. Eine von Pro Alt-Cannstatt initiierte, erfolgreiche Patenschaftsaktion ermöglichte ausführlichere Recherchen und die Herausgabe eines Begleitbandes (siehe Sonderflyer).

Die Ausstellung im Stadtmuseum Bad Cannstatt eröffnet den Reigen. Hier spannt sich der Bogen vom Mittelalter bis in die Gegenwart und beleuchtet dabei exemplarisch Frauenbiographien aus unterschiedlichen Schichten. Von Beginen, vermeintlichen Hexen, Wiedertäuferinnen, über die Posthalterin, das Dienstmädchen und die Fabrikarbeiterin führt der Weg bis zu Vertreterinnen der bürgerlichen und linken Frauenemanzipationsbewegung, zu Fachärztinnen und Lokalpolitikerinnen der ersten Stunde, um nur einige Beispiele zu nennen. Dabei werden viele der Frauenbiographien und Objekte das erste Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Teilausstellung in der Stadtteilbücherei wird den „Frauen der Feder und des Wortes“, den Schriftstellerinnen und Schauspielerinnen, gewidmet sein, die Ausstellung in der Galerie Wiedmann den Künstlerinnen der Bereiche Bildhauerei, Malerei und Design.

In der Zusammenschau zeichnen die drei Ausstellungen ein Bild der steinigen Wege der Frau in der Gesellschaft durch die Zeiten hin zu größerer Teilhabe und zur Gleichberechtigung. Immer gibt es dabei einen Cannstatt-Bezug. Die geschilderten Frauen wurden in Cannstatt geboren oder verbrachten hier zu Teilen oder in Gänze ihr berufliches oder privates Leben oder hinterließen in Cannstatt, wie zum Beispiel Anna Haag mit dem 1951 eröffneten Anna-Haag-Haus, damals ein Wohnheim für alleinstehende Frauen und Mädchen, ihre Spuren. Ein umfangreiches Begleitprogramm ergänzt die Ausstellungen durch Führungen und Vorträge und eine besondere Aktion zum Internationalen Frauentag am 8. März 2018.

Öffentliche Führung durch die Ausstellung (keine Anmeldung erforderlich, Gebühr 3 Euro) durch Olaf Schulze.

Veranstaltungort

Stadtmuseum Bad-Cannstatt

Marktstraße 71/1 (Klösterle)
70372 Stuttgart-Bad Cannstatt

Tel (0711) 5647 88
während der Öffnungszeiten

Tel (0711) 216 258 88 

Weitere Informationen zum Veranstaltungsort

Ausdruck vom 21.10.2018
http://www.stadtpalais-stuttgart.de/1540.html