• Zwei Hochradfahrer als Schmuck für den Weihnachtsbaum
  • Diese Karteikarte ist die einzige überlieferte Information zu den Hochradfahrern
  • Die Statuten des 1. Vélociped-Club Stuttgarts

Bald ist Weihnachten

Eine kleine Einstimmung auf die Weihnachtszeit. Da sich in den Supermärkten schon ausreichend Spekulatius und Schokoladenweihnachtsmänner finden, scheuen auch wir nicht davor zurück, das Thema anzupacken. Diese beiden Hochradfahrer dienten als Schmuck für den Weihnachtsbaum. Sehr viel mehr wissen wir leider nicht über diesen beiden Objekte in unserem Depot. Auf der überlieferten Karteikarte ist vermerkt »etwa um d.J. 1875«. Um diese Zeit waren Hochräder tatsächlich modern. Sicher ist die Information trotzdem nicht. Aber sie führt auf eine andere Spur. Was ist eigentlich mit Stuttgart als Fahrradstadt? Der älteste aktive Radfahrverein Stuttgarts, der 1.RV Stuttgardia Stuttgart datiert auf das Jahr 1886, doch war das wirklich der erste Radfahrverein?

Bereits 1869 gründeten bereits acht Stuttgarter Männer einen »Vélociped-Club«, wie sie es nannten. Ihre Satzung ist erhalten, in ihr wird der Zweck des Vereins beschrieben »durch Anschaffung von Maschinen (Vélocipedes) nach Maßgabe seiner Mittel das Vélocipede-Fahren allgemeiner zu machen, dasselbe zu vervollkommnen und es in geselliger Richtung zu verwerthen.« Radfahren war zu diesem Zeitpunkt nur etwas für Reiche. Zwei der Gründer sind Turnlehrer, die an ihren Schulen das Radfahren unterrichten. Diese Vélociped sahen noch deutlich anders aus als die Hochräder vom Weihnachtsschmuck, sie hatten einen Holzrahmen und einfache Bremsen. Dieser Verein dürfte sicher einer der ersten seiner Art in allen deutschen Ländern gewesen sein. Warum er verschwand ist unbekannt.

Das Fahrrad wurde aber über die Jahre immer populärer. In den 1890er Jahren gab es mehrere verschiedene Fahrradvereine in Stuttgart, um das Jahr 1900 werden in der Stadt bereits 5.000 ansässige Radfahrer gezählt und 1.000 passierende Radler. Stuttgart hat zu dem Zeitpunkt 180.000 Einwohner. Nach der Jahrhundertwende und vor allem nach dem 1. Weltkrieg erlebt das Fahrrad seinen endgültigen Durchbruch und wird dann zum Fortbewegungsmittel der einfachen Leute.

Dieser Weihnachtsschmuck dürfte sicherlich einem fahrradbegeisterten Menschen gehört haben, wahrscheinlich in einer Zeit zu der die Radfahrer als Modernisten und Verkehrsrüpel galten.

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