20 ungeheime Geheimnisse über uns

Noch vor gar nicht all zu langer Zeit haben wir uns in die Blogosphäre gewagt. Nicht wirklich Neuland, aber immerhin ein bißchen Terra Incognita. Kaum sind wir jedoch hier, nehmen wir an Blogparaden teil und werden vom historischen museum frankfurt mit Stöckchen beworfen! Glücklichlerweise ist das alles ganz ungefährlich, sondern gehört wohl zu den Riten und Sitten der hier lebenden Kultur. Als alter Volkskundler, der sich der Erforschung fremder Kulturen verschrieben hat, nehme ich selbstverständlich an den Gebräuchen teil und beobachte was da um mich herum passiert. Das Blogstöckchen was uns zugeworfen wurde verlangt, dass wir 20 Dinge über das Stadtmuseum erzählen, die für Dich, geneigter Leser, von größerem Interesse sein könnten. Nun gut, ich versuche es und verrate 20 ungeheime Geheimnisse über das Stadtmuseum Stuttgart!

  1. Das Stadtmuseum Stuttgart gibt es ja gar nicht! Ist das Ende der Liste damit schon erreicht? Nein. Denn das Stadtmuseum befindet sich zumindest schon seit 2007 in Planung. Damals wurde der Planungsstab Stadtmuseum ins Leben gerufen. Dem eigenen Gründungsmythos zufolge bestand der Stab aus Frau Dauschek, einem Schreibtisch, einem Stuhl und 500 Seiten leerem Papier. Heute sind wir deutlich mehr und leere Papiere sind inzwischen schwer zu finden.
  2. Wir sind das Stadtmuseum und nicht das Kunstmuseum. Ist doch klar, möchte man sagen, aber auf unserem Twitter-Account folgen uns überdurchschnittlich viele Künstler und Galerien, dass ich den Eindruck nicht los werde, dass wir mit den lieben Kollegen, die im Glaswürfel sitzen, verwechselt werden. Wir ziehen ins wunderschöne Wilhelmspalais, das genau gegenüber liegt und wir zeigen Stadtgeschichte nicht Kunst!
  3. So jung und schon eine Sammlung? Jaja, das ist durchaus möglich. Bereits 1928 (manch anderes Stadtmuseum mag jetzt milde lächeln) wurde mit dem Aufbau einer Sammlung begonnen. Diese wurde bis zur Gründung des Planungsstabes vom Stadtarchiv verwaltet. Darunter findet sich so manche Perle, aber auch vieles was uns Rätsel aufgibt. Daher gibt es ja hier im Blog die Kategorie »Dinge im Depot«.
  4. Über den Wolken… kann man uns besuchen. Vielleicht etwas übertrieben, aber immerhin im 11. und 12. Stock des Tagblattturms befinden sich unsere Büroräume. So lange wir noch nicht im Wilhelmspalais arbeiten dürfen, residieren wir eben in einem anderen denkmalgeschützten Gebäude. Erbaut 1928 vom Stuttgarter Neuen Tagblatt, ist er heute ein Zeichen für die Ankunft der Moderne in Stuttgart.
  5. Feueralarm. Jedes Mal ist der Abstieg über die Treppe aus dem 11. Stock ein Erlebnis. Glücklicherweise waren alle Alarme bisher Fehlalarme und wir konnten immer den Aufzug benutzen, um in unsere Büros zurückzukehren. Als wir noch im hinteren Teil des Gebäudes  ein paar Stockwerke tiefer saßen, befand sich noch eine Kinderkrippe über uns. Da war die erste Aufgabe beim Alarm in die Krippe zu gehen und Kinder zu retten.
  6. Kaffee gibt es in unserer Teeküche. Die befindet sich allerdings im Besprechungszimmer. Das erleichtert das informelle Gespräch in der Pause, führt aber auch bei einzelnen Teammitglieder (insbesondere bei mir) dazu, dass zu lange Besprechungen vermieden werden, da der Zugang zum Koffein freigehalten werden muss.
  7. Erschreckenderweise arbeiten hier keine Stuttgarter. Der Großteil ist zwar im Ländle geboren, aber alle außerhalb der Stadtgrenzen.
  8. Ein Teil des Stadtmuseums ist schon eröffnet. Das Stadtlabor in der Kriegsbergstraße ist der pre-opened Kinder- und Jugendbereich mit Angeboten zur baukulturellen Bildung. Manchmal stricken wir aber auch.
  9. We are family. Es gibt zwar noch kein Stadtmuseum, aber schon ein paar Familienmitglieder: das Hegel-Haus, das Stadtmuseum Bad Cannstatt, das Lapidarium, das Heimatmuseum Möhringen und bald wieder das Heimatmuseum Plieningen.
  10. Folgende Fächer haben die Mitglieder des Planungsteams studiert: Geschichte, Kunstgeschichte, Technikgeschichte, Volkskunde, Europäische Ethnologie, Nordamerikanistik, Museologie,…
  11. Das wahrscheinlich größte Objekt, das wir haben ist ein Container in dem bis 2007 Flüchtlinge untergebracht wurden mitsamt seiner kompletten Ausstattung. Daher sind viele Besucher unseres Depots erstaunt, dass Sie bei uns auch ein Kinderbett, eine Thermoskanne, einen Kühlschrank oder Besteck entdecken, das genau so auch bei ihnen zuhause verwendet wird.
  12. Unser wirklich größtes Objekt ist aber die Stadt selbst. Unser Museum soll mal nicht an der Eingangstür aufhören, sondern in die Stadt hineinreichen. Denn schließlich sind hier all die Orte an denen Stadtgeschichte geschrieben wurde und hier finden sich die Menschen mit Expertenwissen über Stuttgart: die Stuttgarter.
  13. Wir sind auf twitter, facebook, google+ und haben diesen blog, weil wir der Meinung sind, dass wir nicht nur etwas zu sagen haben, sondern weil wir auch diskutieren wollen. Diesen Ansatz möchten wir bis in die Dauerausstellung hinein behalten.
  14. Migrationsgeschichte ist Querschnittsthema und unser wichtigstes Anliegen. Wer Stuttgart verstehen will, wie es geworden ist was es ist, darf nicht nur die Geschichte derjenigen hören, die schon immer hier waren. Den niemand war schon immer hier (siehe Punkt 7). Dafür haben wir auch eine eigene Website entwickelt.
  15. Jeden Montag um halb zehn haben wir unseren Jour fix. Da wird besprochen, was die letzte Woche war und in der neuen Woche passieren wird. Zwischen halb zehn und halb elf anzurufen ist also meistens nicht von Erfolg gekrönt. In der Runde sprechen wir übrigens auch darüber, wer in dieser Woche etwas für den blog schreiben könnte.
  16. Das Museum wird später mal nur 1.000qm Daueraustellung umfassen, dafür aber eine Sonderausstellungsfläche von 500qm zur Verfügung haben. Zweimal pro Jahr soll es eine neue Sonderausstellung geben.
  17. Es gab in Stuttgart schon stadtgeschichtliche Ausstellungen. Die letzte war im Tagblattturm zu sehen. Aber auch als die Bücherei im Wilhelmspalais eröffnet wurde, war die Galerie des Lesesaals für eine stadthistorische Präsentation reserviert. Sie speiste sich aus unserer heutigen Sammlung. Als die Bücherei aber mehr Raum benötigte wurde die Ausstellung abgebaut.
  18. Wir suchen immer Menschen, die uns von ihrem Blick auf die Stadt erzählen, und das am besten auch noch anhand von ein paar Objekten tun können. So haben wir schon Dutzende von Interviews aufgezeichnet, die wir nachfolgenden Generationen zur Verfügung stellen, damit sie mal schöne Ausstellungen über Stuttgart zu Anfang des 21. Jahrhunderts entwickeln können.
  19. Bei uns stehen alle Bürotüren offen. Das schafft ein angenehmes Arbeitsklima, weil jeder den Kollegen oder die Kollegin mal stören darf und schnell und einfach über Räume hinweg diskutiert wird.
  20. gibt es nicht, dafür:
  21. Stuttgart 21 wird selbstverständlich Thema werden im Stadtmuseum

Hurra! Es ist vollbracht. Wir haben das Blogstöckchen sicher gefangen und können es nach getaner Arbeit locker weiterwerfen. Von uns fliegt das Stöckchen nach Münster. Ich erwarte mit Spannung was das LWL-Museum für Kunst und Kultur von sich zu erzählen hat!

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  1. Lieber Markus,
    Danke für die schönen Einsichten, nun können wir uns besser vorstellen, wie das Stadtmuseum entsteht: strickende MitarbeiterInnen, die in Speed-Besprechungen viel Koffein zu sich nehmen und nebenbei noch Kinder retten… super!
    herzlichen Gruß aus dem historischen museum frankfurt,
    Nina

  2. Lieber Markus,
    ein paar -bisher- geheime Geheimnisse waren ja dann doch dabei…
    Milde Lächeln wie andere Stadtmuseen es vielleicht tun, werden wir natürlich nicht. Eine Bemerkung aber sei gestattet: In unseren (seit ungefähr 1600 im Aufbau begriffenen) Sammlungen befindet sich der älteste und wahrscheinlich auch größte Stuttgarter aller Zeiten. Der Gresslyosaurus. Er ist ungefähr 230 Millionen Jahre alt und wurde in Degerloch gefunden. Ein Modell von ihm kann man im Museum am Löwentor bewundern.
    Herzliche Grüße
    Tobias
    (Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart)

    • Lieber Tobias,
      war ja klar, älter Sammlungen, ältere Stuttgarter, größere Stuttgarter…
      Da können wir tatsächlich nicht mithalten. Aber vielen Dank für den Hinweis und vor allem für den Beitrag in unserem Pferdeblog.

      Beste Grüße

      Markus

  3. Lieber Markus,

    ach, wie kurzweilig Hintergründe über Euch beschrieben – vielen Dank dafür! Ein rotes Sofa habe ich auch nicht, dafür aber einen roten Ballon 🙂

    Schön, dass es Euch hier gibt!

    Herzlich,
    Tanja

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