Ein Chanukka-Leuchter aus Zinn, der 8 kleine Becken für Öl besitzt, die nacheinander angezündet werden. Links ist eine Tora-Rolle aus Zinn angebracht. Rechts ein weiteres Becken, das sogenannte Dienerlicht.

Erstes Adventstürchen – Chanukka

Zu jedem Advent werden wir dieses Jahr ein Türchen öffnen und Euch ein Objekt aus unserem Fundus vorstellen, das mit der Vorweihnachtszeit zu tun hat.

Wir beginnen mit diesem Chanukka-Leuchter aus Zinn. Ein Objekt, das viele Fragen aufwirft, die teils leicht zu beantworten sind, teilweise aber auch nicht. Warum ein Chanukka-Leuchter am 1. Advent? Am 28.11. begann dieses Jahr Chanukka, ein jüdisches Fest zum Gedenken an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem. Eine genaue Beschreibung des Festes und seiner Bedeutung findet sich auf den Seiten der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs. In einigen jüdischen Familien wird »Weihnukka« gefeiert. Da Weihnachten und Chanukka so nahe beieinander liegen wird oft beides gemeinsam begangen. Geschenke gibt es schließlich bei beiden Festen.

Ein Chanukka-Leuchter besteht aus 8 Lichtern, das sind in diesem Fall die kleinen Schälchen in die Öl gegossen wird. Oft haben die Leuchter noch ein neuntes Licht, das Dienerlicht, mit dem die anderen Lichter angezündet werden. Dies befindet sich hier an der rechten Seite. An der linken Seite ist eine stilisierte Torah-Rolle angebracht. Die Form dieses Leuchters ist für uns heute eher ungewöhnlich; wir kennen meist die achtarmigen oder neunarmigen Leuchter, wie jenen auf dem Schloßplatz. Im 19. Jahrhundert, und dieser Leuchter stammt wahrscheinlich von 1840, gab es aber auch Chanukka-Leuchter in dieser Form, sie konnten mit Öl und eben nicht mit Kerzen ihr Licht leuchten lassen.

Gegossen wurde dieser Leuchter aus Zinn von der Stuttgarter Gießerei Pelargus. Ein für Stuttgart sehr bedeutender Betrieb, der unter anderem auch den goldenen Merkur an der Alten Kanzlei gegoßen hat. Das Gebäude der Gießerei steht heute noch völlig unscheinbar hinter den Häusern der Olgastraße 100/102. Der Zeitpunkt zu dem der Leuchter entstand war eine Phase zunehmender Emanzipation der Stuttgarter Juden. 1828 erließ König Wilhelm I. ein Gesetz, das aus den Schutzjuden Untertanen machte. 1832 wird die israelitische Gemeinde Stuttgarts gegründet, 1861 die Stuttgarter Synagoge eröffnet.

Doch wie kam der Leuchter ins Museum? Es gibt in unserem Inventar lediglich den Vermerk »9.6.37 P[…] K[…]«. Das Datum lässt mich aufschrecken. Die Diskriminierung jüdischer Mitbürger war zu diesem Zeitpunkt schon in vollem Gange. Musste jemand diesen Leuchter verkaufen, um seine Flucht zu finanzieren? Wurde das Objekt gestohlen und dann an die Stadt verkauft? Wir wissen es nicht. Der Name P[…] K[…] hilft unter Umständen ein bißchen weiter. Zu diesem Zeitpunkt lebte in Stuttgart der Zinngießermeister P[…] K[…] in Stuttgart, der 1939 verstarb. Von ihm gingen in den Jahren 1936 bis 1939 mehrere Zinnobjekte in die Sammlung. Er hatte wahrscheinlich durch seinen Beruf selbst eine Leidenschaft für Zinnobjekte und sammelte diese. Mit dem Chanukka-Leuchter brachte er am selben Tag weitere Objekte aus der Pelargus-Werkstatt. Der Leuchter war davon die einzige Judaica.

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