• Harry Raymon und Joachim Stein (Zentrum Weissenburg) vor der Biographietafel zu Harry Raymon
  • Viele Gäste waren zur Ausstellungseröffnung ins Zentrum Weissenburg gekommen
  • Eine Besucherin liest eine der 24 Biographien, die in der Ausstellung Lesbisch-Jüdisch-Schwul präsentiert werden

Ausstellung »Lesbisch-Jüdisch-Schwul« ist eröffnet!

»Lesbisch-Jüdisch-Schwul« – das ist die Ausstellung, die wir am Sonntag in der Weissenburg eröffnet haben. Gemacht hat sie das Schwule Museum in Berlin. Bis zum 15. März ist sie in Stuttgart »zu Gast« und wir freuen uns, dass wir sie zusammen mit dem Zentrum Weissenburg zeigen können!

Was man in der Ausstellung sehen und lesen kann, sind 24 Biographien. Lebensgeschichten von homosexuellen jüdischen Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt wurden. Einige von ihnen wurden von den Nationalsozialisten ermordet, einige konnten aus Deutschland fliehen oder sich hier verstecken und somit dem Tod entgehen. Sie waren doppelt gebrandmarkt, denn sie wurden verfolgt, weil sie jüdisch waren und auch aufgrund ihrer Homosexualität.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die Ermordung von Juden ein Ende, aber die Verfolgung von Homosexuellen ging nach 1945 weiter. Laut Joachim Stein vom Zentrum Weissenburg sogar noch verstärkt. Der Historiker Hans-Joachim Schöps hatte 1963 festgestellt, dass das Dritte Reich für die Homosexuellen noch nicht zu Ende sei. Erst 1969 und 1973 wurde Paragraph 175, der homosexuelle Handlungen unter Männern unter Strafe stellte, reformiert – bis dahin hatte er in der Fassung der NS-Zeit gegolten. Seit 1969 waren homosexuelle Handlungen mit unter 18jährigen männlichen Jugendlichen strafbar, bei lesbischen und heterosexuellen Handlungen hingegen lag das Schutzalter bei 14 Jahren. 1994 erst wurde Paragraph 175 ersatzlos gestrichen.

Bis heute stehe die Entschädigung für das Unrecht aus, das Homosexuellen über Jahrzehnte hinweg widerfahren sei, sagte Ralf Dose von der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft (Hirschfeld gründete 1897 die weltweit erste Homosexuellenorganisation, das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee). Die Geschichte der Verfolgung homosexueller Menschen ist noch nicht ausreichend aufgearbeitet. Das ist eine weitere Botschaft dieses Abends.

Man verlässt die Ausstellung sehr nachdenklich – und das ist auch gut so.

Im Zentrum Weissenburg, Weißenburgstr. 28a, ist die Ausstellung »Lesbisch-Jüdisch-Schwul« bis zum 15. März zu sehen. Di–Fr 19–22 Uhr, So 15–20 Uhr.

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  1. Wer immer noch glaubt, dass es so etwas wie „die Juden“ oder „die Illuminaten“ gibt, geht all diesen Idioten auf den Leim.
    Es gibt nur individuelle Menschen — der Rest sind hypersoziale Ideologien von einigen sesshaften Gruppierungen, die leider ziemlich dumm sind…
    Hitler glaubte leider auch noch, dass es „die Juden“ und „die Geschichte“ gibt — dabei sind alles nur Geschichten von dummen hypersozialen Ideologen…
    Da lobe ich mir die intelligente Steinzeit: damals gab es keine Ländergrenzen, kein „wir Juden“, kein „unser Reich“, keine „Deutschen“, etc. etc. etc.

    • Die Verfolgung und Ermordung von Juden, Homosexuellen, Kommunisten, Sinti, Roma und vielen anderen Gruppen ist nun aber traurige Realität unserer Geschichte. Ausstellungen wie diese sollen dazu beitragen für mehr Toleranz zu sorgen, die Opfer dem Vergessen zu entreissen und ein Ausrufezeichen hinter die zwei Worte „nie wieder“ zu setzen. Unserer Ansicht nach darf jeder Mensch seiner Religion folgen und seine sexuelle Orientierung leben und darf dafür weder benachteiligt, ausgegrenzt oder gar verfolgt werden. Den dies gehört zur Würde des Menschen und die ist im Sinne unseres Grundgesetzes unantastbar.

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