Schneiden, falzen oder knicken?

Heute möchten wir ein weiteres Objekt aus der Reihe rätselhaftes aus dem Depot vorstellen. Auch diesmal handelt es sich um ein unbekanntes Schneidegerät. Oder besser gesagt, nur auf den ersten Blick scheint es ein scherenähnliches Objekt zu sein.

Die Funktionsweise ist jedoch eine andere. Zum einen ist bei diesem Gerät das Gelenk, das die »Schneiden« beweglich miteinander verbindet, an der Spitze angebracht. Zum anderen sind die Schneiden selbst speziell, in der Art von Nut und Feder, gearbeitet. D.h. im geschlossenen Zustand versinkt die eine etwas geschliffene Schneide ein paar Millimeter in der Einkerbung der anderen Schneide. Das klingt jetzt etwas komplizierter als es ist, ich hoffe das Detailfoto macht es deutlicher.

Ob nun zum Schneiden oder Falzen von Papier oder Textil oder doch eine ungewöhnliche Lichtputzschere, anscheinend war dieses Gerät viel beansprucht. Deutliche Spuren sind zu erkennen, seien es gebrochene Griffe, Reparaturen am Gelenk und die durch Kraftaufwand verbogenen »Schneiden«.

Zudem fällt die aufwendige Verarbeitung und Gestaltung durch ornamentale Gravuren und Inschriften auf. Leider sind die Inschriften momentan sehr schlecht erkennbar, diese werden durch die geplante Restaurierung sicher besser lesbar.

Um noch einen Eindruck über die Größe zu geben, das Objekt ist 23,5cm lang und 7cm breit. Bleibt noch die Frage wofür könnte diese aufwendig gestaltete Objekt genutzt worden sein?

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  1. Hallo,
    es handelt sich um eine seltene Zuckerschere zum Zerkleineren von großen Zuckerstücken von einem „Zuckerhut“ in handliche Stückchen. In dieser Form waren sie vor allem im 17. und frühen 18. Jh. gebräuchlich. Ihr Exemplar scheint dem Schrifttyp nach um 1700 oder kurz danach entstanden zu sein, möglicherwese in Solingen. Vergleichsstücke gibt es u.a. im Musée Le Secq des Tournelles in Rouen (F), im Museum in Eisenach, Gewerbemusem Reichenberg und im Victoria- and Albert-Museum in London. Die noch nicht identifizierte Inschrift könnte sich auf den „Zerschneiden“ des Zuckers beziehen. Schöne Idee hier so ein Stück als Rätsel vorzustellen!

    • Lieber Herr Dr. Thier,
      ganz herzlichen Dank! Das ist ein richtige Entdeckung für unsere Sammlung. Mit Ihren hilfreichen Hinweisen mache ich mich gleich auf die Suche nach weiteren Exemplaren und Literatur.
      Besten Dank nach Münster!

  2. Was diese Zange anbelangt bin ich Herrn Dr. Thier dankbar ich, kannte so ein Objekt noch nicht!
    Aber vor allem bin dem Museum sehr dankbar, das sie etwas ins leben gerufen hat wovon sich andere Museen ein Scheibe abschneiden könnten, nämlich die Veröffentlichung von Artefakten die in den Kellern der Museen kaum Beachtung finden und deshalb auch nicht ausgestellt werden.

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