• Griechischer Ratgeber für Auswanderer "Jetzt wo Du gehst"
  • Handschriftliche Übersetzung des Textes des Ratgebers.

Getrennte Familien

Zur Zeit arbeite ich an einem sehr persönlichen Thema für die Dauerausstellung. In unserem Bereich Stadtgespräche (s. Konzept), wollen wir auch die Situation vieler Migrantenfamilien in den 1970er Jahren in Stuttgart thematisieren. Es ist eine Zeit, die für sie vor allem durch Unsicherheit geprägt ist. 1973 wurde der Anwerbestopp erlassen und keine neuen „Gastarbeiter“ durften mehr nach Deutschland kommen. Wer jetzt also hier seine Arbeit aufgabe und in sein Heimatland zurückkehrte, für den blieben die Türen für einen Rückweg verschlossen. In dieser Situation entschlossen sich viele dafür ihre Familien nach Deutschland bzw. nach Stuttgart zu holen. Befördert wurde dies dadurch, dass das Bundeskindergeldgesetz von 1975 die im Ausland lebenden Kinder schlechter stellte.

Viele Familien lebten zu diesem Zeitpunkt getrennt voneinander. Oftmals lebten der Vater, die Mutter oder beide Eltern hier und die Kinder wohnten in der Heimat bei Verwandten. Manche sahen ihre Kinder nur alle zwei Jahre. Aber wer sollte auch hier auf die Kinder aufpassen, wenn beider Eltern beim Arbeiten waren? Und warum sollten sie sich in einer neuen Umgebung eingewöhnen, wenn die Familie irgendwann sowieso zurückkehren würde? Fragen, die die Eltern in jener Zeit diskutierten. Würden sie die Kinder nach Stuttgart holen, dann hieße das noch etwas länger zu bleiben, nach Ausbildungsmöglichkeiten und Chancen für die Kinder suchen zu müssen. Eine größere Wohnung wird dann notwendig und das Sparen dadurch noch schwieriger.

Über diese Diskussionen möchten wir in unserer Ausstellung erzählen. Wir wollen diese Menschen zu Wort kommen lassen, die sich entscheiden mussten, oder über die entschieden wurde, also die Kinder, die nach Stuttgart geholt wurden. Eine Herausforderung, weil es unser Ziel ist eben nicht über Menschen zu reden, sondern Menschen selber zu Wort kommen zu lassen. Aus diesem Grund treffe ich mich regelmäßig mit einer Gruppe engagierter ehemaliger und aktueller Sozialarbeiter aus Griechenland, Italien und der Türkei, die mit mir zusammen das Thema erarbeiten. Allein dadurch hat sich das Thema schon stark verändert, da ich von völlig anderen Themen ausgegangen war, die die Menschen in der Zeit bewegten.

Ich bin aber weiter auf der Suche. Wer hat selbst die Zeiten und diese Diskussionen als Kind oder als Erwachsener miterlebt? Wir haben Interesse an diesen Geschichten und Biographien. Auch eine Mitarbeit an dieser Ausstellungseinheit ist möglich. Wir suchen aber auch Objekte, die genau diese Unsicherheit und das Thema der getrennten Familien symbolhaft darstellen können. Wer Lust und/oder Interesse am Thema hat, meldet sich bitte bei mir oder hinterlässt ganz einfach hier einen Kommentar!

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  1. Pingback: Unbekannte Stadtgespräche über getrennte Familien | blog Stadtmuseum Stuttgart

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