• Jubiläumsschrift "Unter'm rothen Kreuz" von Adolf Schaal
  • Widmung des Verfassers Adolf Schaal: " Seinem alten u lieben Freunde Hermann Mögling zum Andenken gewidmet: A. Schaal. Stuttgart den 11. Februar 1898.
  • In der linken Ecke ist Königin Olga von Württemberg als Schirmherrin des Württembergischen Sanitätsvereins abgebildet.

„Unter’m rothen Kreuz“ in Württemberg

 

Ein rotes Kreuz auf weißem Grund. Das Zeichen ist heute weltberühmt und symbolisiert national wie international humanitäre Hilfestellung in Not- und Kriegszeiten. Heute vor 151 Jahren wurde der Württembergische Sanitätsverein in Stuttgart gegründet, der als erste nationale Rotkreuz-Gesellschaft in die Geschichte einging.

Der Ursprung der Vereinsgründung geht zurück auf die traumatischen Erinnerungen des Genfer Publizisten Henry Dunant an die Schlacht von Solferino im Italienischen Unabhängigkeitskrieg von 1859. Noch heute ist man entsetzt, wenn man den Augenzeugenbericht Dunants vom 24. Juni 1859 liest:

„Ueberall rufen die Verwundeten nach Wasser! Aechzen und Stöhnen, halberstickte Seufzer voll Schmerz und Todesangst und herzzerreissende Hilferufe durchdringe die Stille der Nacht. (…) Das Schlachtfeld ist besät mit Menschen- und Pferdeleichen. (…) Die unglückliche Verwundeten, die im Laufe des Tages aufgelesen werden, sind bleich, fahl und ganz entkräftet. (…) Hier schauen sich Verwundete nach alle Seiten hilfesuchend um, denn ihr Gesicht ist ganz schwarz mit Fliegen besetzt, die in Mengen umherschwärmen und sich auf ihren Wunden niederlassen. Bei diesen dort bilden Mantel, Hemd, Fleisch und Blut eine feste unlösliche Masse.“

Die Publikation Dunants rief eine Bewegung ins Leben, die in dem Internationale Komitee vom Roten Kreuz ihre spätere Vereinigung fand. Die hierfür nötige Übereinkunft eines unantastbaren Grundsatzes über den Schutz von Personen im Kriegsfall wurde am 22. August 1864 in der ersten Genfer Konvention gefasst. Baden und Württemberg zählten zu den zwölf europäischen Erstunterzeichnern.

Keine drei Monate später wurde der Württembergische Sanitätsverein gegründet. Neben der Versorgung von Verwundeten im Krieg organisierte der Verein Hilfestellung bei Katastrophen in Friedenszeiten und sorgte für die Ausbildung des Pflegepersonals.

Während der Deutschen Einigungskriege 1866 und 1870/71 bewährte sich der Verein erstmals in vollem Umfang. Von Adolf Schaal, einem damaligen Mitglied des freiwilligen Sanitätscorps Stuttgart, wissen wir mehr über die Arbeit während des Deutsch-Französischen Kriegs. Schaals Sanitätsmannschaft befand sich in der Kriegszeit fast ununterbrochen auf dem Stuttgarter Bahnhof, um dort unmittelbar bei Ankunft der eintreffenden Zügen mit Verwundeten von der Front Hilfe leisten zu können. Unter schweren seelischen Strapazen und großer Ansteckungsgefahr – besonders die oftmals tödlich endenden Krankheiten Typhus und Ruhr kreisten unter den Verwundeten – leisteten die Sanitäter ihren Dienst. Ihren „edelster Lohn“ – so der verklärte patriotische Blick Schaals – „lag in dem Bewußtsein, mit ihrem Dienst ihre Pflicht gegen das Vaterland in dieser Weise mit aufopfernder Treue zu genügen!“

Der Württembergische Sanitätsverein wurde bereits im Dezember 1863 vom Internationalen Komitte als freiwillige Hilfsgesellschaft im Sinne der Genfer Konvention anerkannt. Die Ausführungen Adolf Schaals sind somit frühe Zeugnisse des heute weltweit agierenden humanitären Hilfswerks des Roten Kreuzes.

Die Zitate stammen aus der Jubiläumsschrift „Unter’m Rothen Kreuz 1870/71“ von Adolf Schaal, S.52f und der „Entstehungsgeschichte des Roten Kreuzes und der Genfer Konvention“ von Rudolf Müller, S.10ff.

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