• Heiliger Christophorus, um 1515
  • Heilige Anna selbdritt, um 1515
  • Zuerst den Sockel platzieren
  • und gerade ausrichten
  • dann kommt der Hl. Christophorus
  • Millimeterarbeit mit dem Hubstapler
  • Jetzt noch vorsichtig ausrichten
  • Steht er auch wenn ich loslasse?
  • Die Papierbahn muss höher ansetzen
  • und der Rückweg nach dem Fotoshooting
  • The same procedure für die Anna: Vorsicht mit dem Metallstift
  • und jetzt ins rechte Licht gerückt

Heilige machen keine Selfies

In der Sammlung des Stadtmuseums gibt es viele große Objekte, es gibt auch schwergewichtige Objekte, und es gibt sehr empfindliche Objekte. Unter denen wiederum finden sich alte Objekte, weniger alte Objekte und sehr alte Objekte.

Bei den sehr alten Sammlungsstücken gibt es solche, die zugleich sehr empfindlich, sehr groß und ausgesprochen zentnerschwer sind. Sie werden deshalb nur selten und nur aus triftigen Gründen bewegt.

So geschah es vor ein paar Wochen mit zwei mittelalterlichen Steinskulpturen: Ein „Heiliger Christophorus“ mit dem Jesuskind auf der Schulter und eine „Heilige Anna selbdritt“, das ist eine Darstellung der Heiligen Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind auf den Armen. Beide Sandsteinskulpturen stammen von der Fassade des ehemaligen Wohnhauses Lotter am Marktplatz (besser bekannt als Haufler am Markt, auch der nun schon Geschichte). Sie entstanden etwa um 1515 und waren ein Geschenk des Ulmer Kaufmanns Hans Besserer.

Von diesen Skulpturen brauchten wir professionelle Fotoaufnahmen für eine Publikation. Die Fotoaktion fand in unserem Depot statt, denn ein Transport der beiden Schwergewichte in ein Studio wäre zu aufwändig geworden.

Aber auch das Fotoshooting vor Ort hatte es in sich!

Neben dem Fotografen samt Auto füllendem Equipment habe ich auch zwei kundige Steinmetze bestellt. Steinmetze können Steine leicht und souverän mit Portalkränen bewegen, aber unsere Heiligenfiguren konnten maximal mit Hilfe des hauseigenen Hubstaplers in Fotoposition gebracht werden. Ein guter Plan war also vonnöten.

Den guten Plan hatten die Herren Steinmetze, und für die sehr feinfühlige Bedienung des Hubstaplers war unser Kollege, Herr Otto, zuständig. Er führte den Stapler an diesem Tag mehrere Stunden lang sehr konzentriert und millimetergenau langsam vor und zurück und rauf und runter. Chapeau!

Es galt, die steinernen Persönlichkeiten präzise mittig auf dem empfindlichen, grauen Fotokarton zu platzieren, ohne dass dieser beschädigt wurde. Er musste ja sauber und intakt bleiben fürs Foto!

Außerdem mussten die Heiligen sicher vom Hubstapler kommen und aufgerichtet werden (und anschließend wieder zurück), ohne dass die beteiligten Menschen zu Schaden kamen. Auch sie sollten unversehrt bleiben. Wer möchte schon gerne durch Steinschlag sterben!

Um die ganze Sache nicht allzu einfach zu machen gab es noch zwei besondere Schwierigkeitsgrade zu überwinden. Der Heilige Christophorus hatte noch seinen originalen Sockel, auf den er zuerst gestellt werden musste, der aber durch ausgebrochenen Mörtel keine passgenaue Aufsatzfläche bot. Der Heilige musste also, unsichtbar fürs Foto, an den Fehlstellen unterfüttert werden.

Und die Heilige Anna selbdritt hatte zwar keinen originalen Sockel mehr, aber dafür noch den Eisenstab an der Unterseite, mit dem sie einstmals im Sockel verankert war. Für sie musste also das extra stabil gebaute Fotopodest durchlöchert werden, was einfach war. Weniger einfach war es, die Skulptur mit dem Stab genau in diese Öffnung zu bugsieren.

Ich muss jetzt wohl nicht extra erwähnen, dass man bei dieser ganzen Aktion wiederholt hätte Stecknadeln fallen hören können…, jedenfalls so viel gespannte Aufmerksamkeit haben diese Heiligenfiguren schon sehr, sehr lange nicht mehr erfahren.

Im Scheinwerferlicht des Fotografen entfalteten die Heiligen schließlich ihre wahre Größe und machten „eine gute Figur“.

Es sind wunderbare Fotos von ihnen entstanden!

Und am Ende der ganzen Aktion fiel allen Beteiligten ein Stein vom Herzen (allen, auch der Anna, der Maria, dem Christophorus und den beiden Jesuskindlein).

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  1. Sehr interessanter Bericht! Was für ein Aufwand für ein paar Fotos! Werden die Heiligen im neuen Stadtmuseum zu sehen sein? In welchem Kontext? Ich bin gespannt und freu mich schon auf die Eröffnung! Herzliche Grüße an das Team, Andrea

  2. Danke, Andrea, für die schöne Rückmeldung zur Fotoaktion mit schwergewichtigen Heiligen. Dieser Beitrag erfreut sich offenbar weiterhin einiger Beliebtheit. Nach der Stunden füllenden Aktion im Depot dachte ich mir: das ist der ideale blog für den Blick hinter die Kulissen. Demnächst folgt mehr. Gruß Edith.

  3. Ach ja! Andrea, Deine Frage muss ich noch beantworten. Die Figuren werden erst mal nicht ins Museum kommen. Unsere Dauerausstellung hat ihre Schwerpunkte im 19., 20. und 21. Jahrhundert. Auch für diese Zeitspanne bereiten wir spannende Themen vor. Beste Grüße, Edith.

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