• Schlüssel des Wilhelmspalais aus dem Besitz des Hausmeisters der Jahre 1935 bis 1944
  • ehemalige Schlüssel des Wilhelmspalais

Jetzt haben wir ihn, …den Schlüssel zum Wilhelmspalais

 

Am Freitag haben wir den Türschlüssel des ehemaligen Hausmeisters des Wilhelmspalais samt Ersatzschlüssel und Foto bekommen! Es ist der ehemalige Schlüssel zu den beiden Erdgeschosstüren neben der vorderen Freitreppe. Durch diese Türen betraten nicht nur die Hausmeistersfamilie, sondern auch die Mitarbeiter das Haus, die die zeitweilige Ausstellung im Wilhelmspalais ab 1936 betreuten.

Die Schlüssel kamen nicht allein, sondern mit einer wunderbar langen Erzählung über die Geschichte der Hausmeistersfamilie, die in den Jahren 1935 bis 1944 im Wilhelmspalais wohnte, bis zu dessen Zerstörung durch den Luftkrieg. Hausmeister Martin Epp betreute das Wilhelmspalais während der Zeit seiner Einrichtung als „Volksmuseum der Auslandsdeutschen“. Herr Epp hatte viel zu tun in dem großen Palais. Neben der ständigen Präsentation von Trachten und Bauernstuben verschiedener sogenannter volksdeutscher Landsmannschaften im Haus, wurden mehrfach im Jahr wechselnde Sonderschauen zum aktuellen Zeitgeschehen zügig auf- und abgebaut. Die Werkstätten dafür waren im Untergeschoss und in der Remise im Garten untergebracht. Auch im großen Festsaal im Erdgeschoss fanden regelmäßig Veranstaltungen statt.

Während der Vater gut eingespannt war, erlebten die beiden Kinder des Hausmeisters eine glückliche Jugendzeit. Das Wilhelmspalais war ein idealer Spielort für sie und die Nachbarskinder. Wenn Besucher, Mitarbeiter und Putzpersonal das Museum abends verließen, wurde es ihre heimliche Spielstätte. Durch das beeindruckende Modell der im Erdgeschoss aufgestellten Brooklyn-Bridge fuhren plötzlich kleine Spielautos. Die unterschiedlichen Stuben im Obergeschoss mit ihren interessanten Ausstattungsstücken und Betten wurden gerne neugierig „bewohnt“. Am Ende wurden die Spuren der verstohlenen Kinderspiele wieder sorgfältig verwischt und die Ordnung wieder hergestellt.

Auch sonst war die Hausmeisterfamilie für die diversen Festivitäten nützlich. Bei der Eröffnung des Museums 1936 gab es einen Festzug zum Wilhelmspalais, bei dem die Kinder in Siebenbürger Tracht voranschritten, denn an Kindern aus Siebenbürgen mangelte es der Gruppe. Vater Epp verwandelte sich mittels Tracht für einen Festzug überzeugend in einen volksdeutschen Herrn aus der Batschka. Als solcher wurde er dann von Adolf Hitler mit Handschlag freundlich begrüßt.

Die glücklichen Tage endeten für die Kinder mit externem Schulunterricht in Landgemeinden. Das Wilhelmspalais musste mit Voranschreiten des Krieges das Städtische Ernährungsamt beherbergen, das bereits ausgebombt worden war. Schließlich wurde auch das Palais getroffen: Es brannte eine Woche lang, beobachtet von der Hausmeistersfamilie, die nur Teile Ihrer Habe retten konnten.

Seit 1944 wurden die Schlüssel zum Wilhelmspalais also nicht mehr gebraucht. Sie wurden aber sorgfältig aufgehoben, denn sie wurden zum Sinnbild für eine glückliche Kindheit. Jahre später bekamen sie dann auch noch den Fotoanhänger und eine korrekte Beschriftung.

Im Jahr 2008 habe ich von den Schlüsseln erfahren und den Sohn des Hausmeisters vorsichtig darum gebeten, sie uns mal später zu überlassen. Ich versprach, sie gut in unserer Sammlung zu bewahren. Er bat mich um Bedenkzeit.

Am Freitag kam er und brachte sie mit.

Danke Richard, für den Schlüssel zum Wilhelmspalais.

 

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  1. Glückwunsch zu der Schlüsselgabe! In einenm Museum zu spielen, das klingt wirklich nach einem Kindertraum. Was mich ganz persönlich interessiert: Der Familienname Epp ist hier in der Region ja nicht so sehr häufig. Kam die Familie aus Stuttgart oder woanders her?

    • Hallo Zeilentiger, woher die Familie stammt habe ich nicht erfragt. Seit den 1890er Jahren betrieb die Familie Epp aber ein bekanntes Umzugsunternehmen in Stuttgart und wurde viel von den häufig umziehenen württembergischen evangelischen Pfarrfamilien beauftragt.

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