• Die durch den Ölschuss sichtbare Luft beginnt einzuströmen
  • Das Versuchslabor
  • Die Luft beginnt zu strömen und verteilt sich
  • Jetzt ist alles belüftet

Kurz vor Ostern: Ölschuss

So eine Museumsplanung führt einen – um mit Captain Kirk zu sprechen – in fremde Galaxien. Ich entdeckte heute die für mich neue Galaxie der Lüftungstechnik. Dazu musste ich keine Lichtjahre durch unendliche Weiten reisen, sondern fuhr recht erdverbunden mit der U15 nach Zuffenhausen. Dort hatten wir einen Termin bei LTG Air Systems, die die geplante Lüftungstechnik für unsere Ausstellungsräume im Versuchslabor aufgebaut und erprobt haben. Als stadthistorisch interessierter Mensch vernahm ich mit Freude, dass die Stuttgarter Firma LTG als erste Firma in Europa (!) Lüftungstechnik entwickelte und vertrieb. In ihrem Gründungsjahr 1919 fand die Frischluftzufuhr in Gebäuden vermutlich vor allem noch durch undichte Fenster statt. Heute ist das etwas komplizierter.

Wir wollen, dass unsere Besucher immer in wohltemperierten Räumen die Ausstellung genießen können und gleichzeitig mögen auch unsere Objekte keine großen Klimaschwankungen. Außerdem möchten wir den Feinstaub der Konrad-Adenauer-Strasse nicht in unseren Räumen haben – auch der ist schlecht für Mensch und Objekt. Damit die Luft in unseren sehr weitläufigen Räumen immer gleichmäßig temperiert und mit frischer (aber gefilterter) Außenluft gemischt wird, überall im Raum dieselbe Luftqualität vorhanden ist und es trotzdem nicht zieht, haben sich unsere Architekten und Fachingenieure planerisch ins Zeug gelegt. Und LTG hat jetzt im Labor geprüft, ob der Plan funktioniert. Heute wurden uns die Ergebnisse im Labor vorgestellt.

Im Versuchslabor sahen wir im nachgebauten Museumsraum eine Simulation, die mit einem „Ölschuss“ funktioniert – so nennen die Lüftungstechniker die mit Öl angereicherte Testluft, ein weißer Nebel, der die strömende Luft sichtbar macht. Der Nicht-Lüftungstechniker darf den Ölschuss mit „Disco-Nebel“ übersetzen und weiß dann auch, um was es geht. Neben dem Ölschuss habe ich weitere spannende Begriffe kennengelernt, nämlich die „Draught Rate“. Sie beschreibt Zuglufterscheinungen, die heute nicht allein in objektiven Metern pro Sekunde dargestellt werden, sondern in Angaben zum subjektiv wahrgenommen Luftzug. Das kennen wir ja alle – irgendeiner meint immer, dass „es hier zieht“. Seit heute weiß ich, dass grundsätzlich 5% der Menschen immer einen Zug spüren auch wenn rein physikalisch keine Zugluft messbar ist. Dieses Phänomen wird durch den „PPD“-Wert abgebildet, er steht für „Predicted Percentage Dissatisfied“, also dem angenommenen Anteil an Personen, die mit dem Klima unzufrieden sind. Erreicht man wie wir im Labor einen Wert, der zum Teil nur bei 7% liegt ist das richtig klasse.

Museumsplanung heißt Lernen fürs Leben: Ab sofort werde ich sehr zurückhaltend mit Beschwerden über Zugluft sein!

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  1. WOW – besten Dank für die Info – gut gefallen hat mir…
    …Frischluftzufuhr in Gebäuden vermutlich vor allem noch durch undichte Fenster statt. Heute ist das etwas komplizierter.
    #haveaniceday 🙂

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