• Einzug des ersten Erntewagens nach der Missernte von 1816 in Stuttgart im Juli 1817
  • Postkarte zum Cannstatter Volksfest - Die Ursprünge des Festes gehen auf das "Jahr ohne Sommer" zurück.
  • Pokal für die Prämierung von Arbeitspferden beim Cannstatter Volksfest 1905. Landwirtschaftliche Ausstellungen und Prämierungen sollte den Besuchern des Volksfestes neue Impulse für die Landwirtschaft geben.
  • Postkarte Hohenheim - Die erste landwirtschaftliche Universität der Welt wurde 1818 gegründet um der Landwirtschaft aus der Krise zu verhelfen.

Jahr ohne Sommer

Dass der berüchtigte Reissack, der  in China umfällt, alles andere als unwichtig hier vor Ort sein kann, zeigen neue Forschungserkenntnisse und ein Blick zurück in die Geschichte. Vor genau 200 Jahren ereignete sich eine Naturkatastrophe in Südostasien – der größte Vulkanausbruch der Neuzeit – mit dramatischen Auswirkungen auch für Württemberg. Am 5. April 1815 spuckte der Vulkan Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa Feuer und hinterließ mit mehr als 50km Höhe eine gewaltige Aschewolke. Vom ehemals 4300 Meter hohen Vulkan wurden über 1400 Meter weggerissen. Die riesige Aschewolke nahm ihren Weg in die nördliche Halbkugel und wirkte sich so vermutlich auf das Wetter in Europa aus. Das folgende Jahr 1816 ging als das „Jahr ohne Sommer“, das kälteste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen auch in die Geschichte Württembergs ein.

„Und dann ist es wieder kalt geworden, also daß kein Wachstum und Gedeihen an den Pflanzen gewesen ist und die Bäume nicht getrieben haben“ so berichtet ein Handwerksmeister aus dem Jahr 1816 in Württemberg. Eine katastrophale Missernte und der Ausfall einer kompletten Weinlese war die Folge. Stuttgart, das damals mehr oder weniger vom Weinbau lebte, traf das besonders hart. Schon Mitte Oktober fiel der erste Schnee und verdarb das Getreide und die Lebensmittelpreise schnellten in die Höhe.

König Wilhelm I., der erst kurz zuvor den württembergischen Thron betreten hatte, und Königin Katharina unternahmen eilige Schritte um die Hungersnot im Land einzudämmen. Der König kaufte außerhalb der Landesgrenzen große Mengen Getreide ein, legte Höchstpreise fest und gründet 1818 zur Weiterentwicklung der Landwirtschaft die  „Landwirthschaftliche Unterrichts-, Versuchs- und Musteranstalt“ in Hohenheim die erste landwirtschaftliche Hochschule der Welt. Gemeinsam mit Königin Katharina gründete der König einen landwirtschaftlichen Verein, um die Bauern fortzubilden und die Landwirtschaft zu reformieren. Beim ersten „Landwirthschaftlichen Fest zu Kannstadt“ 1818 wurde die ersten Erfolge gefeiert. Das Fest sollte fortan nicht nur der Freude und Geselligkeit dienen, sondern durch Ausstellungen, Pferderennen und Prämierungen vor allem Impulse für die Agrarwirtschaft geben. Noch heute erinnert die Fruchtsäule auf dem Wasen an die Anfänge des Volksfestes.

1817 wurden Wilhelms Reformen mit einer ersten guten Ernte belohnt. Nach langen Monaten des Hungerns wurde am 29. Juli 1817 der erste Erntewagen mit großer Freude und Dankbarkeit auf dem Schillerplatz in Stuttgart begrüßt.

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