• Mein Arbeitsplatz mit Blick aus der 11. Etage des Tagblatt-Turms
  • Der Schreibtisch mit noch sichtbaren freien Flächen
  • Im Nebenraum die Bibliothek des Planungsstab Stadtmuseum

Keine Schonfrist! Mein Arbeitsplatz nach drei Wochen

Ein Schreibtisch erzählt viel über seinen Benutzer. Er erzählt aber auch über das Neu-Ankommen an einem Arbeitsplatz, der immer auch Spuren seiner ‚Vorbewohner_innen‘ enthält. Noch nicht umgezogene Materialien auf den Ablagen, überlassene Ordnungssysteme, Telefonlisten an der Wand oder Konzeptionspläne mit Abkürzungen, die mich erst mal ein wenig schwindelig werden lassen. Womit ich nach drei Wochen ‚im Amt‘ (sprichwörtlich! Denn ich bin ja Angestellter des Kulturamts) schon relativ vertraut bin, war in den ersten Tagen noch eine ziemliche Herausforderung. Ganz zu schweigen vom Telefon, das mit seinen technischen Finessen den danebenstehenden PC doch eher alt aussehen lässt.

Gerade noch vor wenigen Wochen habe ich mein altes Büro an der Berliner Humboldt-Universität leergeräumt. In sechs Jahren sammelt sich so einiges an – und ich habe mich beim Aufräumen und Einpacken nicht nur einmal gefragt, warum ich nicht einer der amerikanischen Seriencharaktere sein kann, die nach Beendigung ihres Jobs einen kleinen Karton mit ihrem persönlichen Hab und Gut packen (oft nicht viel mehr als ein paar gerahmte Fotos) und das Haus verlassen, wahlweise geknickt aufgrund gerade erst ausgesprochener fristloser Kündigung, oder erhobenen Hauptes und in froher Zuversicht einer neuen Herausforderung. Letzteres war zum Glück bei mir der Fall (wenn auch natürlich nicht ohne Abschiedsschmerz), und so sitze ich nun hier und freue mich jedes Mal beim Blick aus dem Fenster über das große Privileg, auf die Dächer und Türme Stuttgarts – meiner Geburtsstadt, in der ich bisher aber nie gewohnt habe – aus dem 11. Stock des Tagblatt-Turms zu schauen.

Auf meinem Schreibtisch liegen Bücher, Ausstellungskataloge und von meiner Vorgängerin zusammengestellte Rechercheordner zur Geschichte der Stadt im frühen 19. Jahrhundert. Dies ist der Themenbereich, in den ich mich für die Konzeption der Dauerausstellung im Wilhelmpalais als erstes hineinstürzen werde. Und es ist toll zu merken, wie schnell sich ein Bild vor dem inneren Auge entfaltet, wie es hier zu dieser Zeit gewesen sein mag – rudimentär zunächst, und es kommen immer weitere Fragen auf, die mich sogleich wieder in unsere hauseigene Bibliothek zwei Zimmer weiter führen. Und wie es so oft ist, erscheinen die Bücher rechts und links von dem, das ich eigentlich suchte, mindestens so spannend und ergeben sich so gleich wieder neue Fragen und Verbindungslinien.

Wie gut, dass ich diesen Blogbeitrag schon jetzt schreibe. Denn es wird nicht lange dauern und mein Schreibtisch hätte erst aufgeräumt werden müssen, um der Öffentlichkeit gezeigt werden zu können. Ich werde mich wohl schon bald nach so viel Freifläche zurücksehnen.

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  1. Hey Fred!
    Sehr schöner Blogbeitrag!!!!
    Genieß‘ die Zeit mit dem tollen Team!
    Sonnige Grüße aus Tübingen
    Käthe
    (Die Vorgängerin, die die blaue Liste mit den Konzeptionsthemen an die Wand gepinnt hat :-D)

  2. hej fred.
    mir gefällt besonders, dass auch auf dem bücherregal noch bücher stehen – gleichsam als seien sie aus der sonstigen ordnung herausgefallen.
    nun schreibst du also auch einen museumsblog. das treibt auch mich an, auch wieder mal was zu posten.
    auf bald, so hoffe ich.
    mario

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