• Neujahrskarte 1983 (gestaltet vom Grafischen Atelier Stankowski + Duschek)
  • Menschen erwünscht!

wir sind jetzt mal bei „wünsch dir was!“

Während in unseren Sitzungen zunehmend kuratorische statt inhaltliche Debatten geführt werden, der Kollege „dem Dingens mit dem Internet“ auf den Grund geht u auf den Tagesordnungspunkten unserer Besprechungen konkrete Themen wie „Sonderausstellungen“ und „Texthierarchien“ stehen, geht es in meinem Kopf nochmal einen Schritt zurück zu einer ganz grundlegenden Frage. Wieso planen wir ein Stadtmuseum für Stuttgart? Was soll das Stadtmuseum mal leisten? Warum ist es wichtig jetzt eines zu eröffnen? Und wie soll es eigentlich aussehen?

Zugegeben – meine Auseinandersetzung mit der Frage kommt ein bisschen spät, immerhin feier ich Ende des Monats mein Volo-Bergfest. Aber man muss die Materie ja auch erstmal kennen, bevor man ein Urteil fällt. Ich versuch es mal in Kürze darzulegen, was ich mir vom Stadtmuseum Stuttgart wünsche.

Punkt 1.
Ich wünsche mir ein Haus, das mich dazu anregt, mich mit Stuttgart und dem städtischen Leben auseinanderzusetzen.
Das kann historisch sein, weil jede Stadt die Summe aller in ihr vorher stattgefundenen Ereignisse ist. Aber es sollte vor allem eine Verbindung zu dem Hier und Jetzt schaffen. Ich will wissen, wieso Stuttgart aussieht wie es aussieht u wieso es so ist wie ich es heute kenne.
Und deshalb möchte ich im zukünftigen Museum mitmachen und mitdenken können, weil ich zur Stadt dazugehöre und weil ich mir mein eigenes Bild von Stuttgart machen möchte.

Punkt 2.
Ein Stadtmuseum soll in meiner Idealvorstellung alle Menschen in Stuttgart erreichen. Die Hippen, die Spießer. Die Alten, die Jungen. Die Menschen, die sich hier wohlfühlen und die, die sich hier nicht wohlfühlen. Es soll die Stuttgarter dazu anregen, ihre Umgebung wahrzunehmen und sie zu hinterfragen. Es soll den Stuttgartern zeigen, dass sie es sind, die die Stadt gestaltet haben und gestalten können.

Punkt 3.
Ich wünsche mir einen Ort, an dem verständlich wird, dass Stadt sein Gemeinschaft heisst. Stuttgart ändert sich Tag für Tag. Verschiedene Menschen leben hier ihre unterschiedlichen Leben. Sich darauf zu besinnen, dass wir eine Gemeinschaft bilden, ist gerade in Zeiten der extremen Ausdifferenzierungen wichtig und kann das Verständnis für Pluralität stärken.

Punkt 4.
Ich will was Neues sehen. Stadtmuseen gibt es fast in jeder größeren Stadt in Deutschland und alle behandeln dieselben Themen, weil sie sich primär als historisches Museum verstehen. Der Fokus auf die Stadt geht oft ob der Fülle an historischen Fakten verloren.
Kennste ein Stadtmuseum, kennste alle. Mich interessiert aber das Stuttgartspezifische, nicht das Allgemeine.

Punkt 5.
Ich finde Museen sollen neue Wege gehen. Museum muss nicht nur Objektschau mit Text bedeuten. Kommentierbarkeit und Raum für Fragen an sich selbst gehören für mich zu den Möglichkeiten, den Besucher mehr miteinzubinden. Das Stadtmuseum ist das Museum der Stuttgarter, nicht das der Kuratoren oder der Politiker. Alle sollen teilhaben können und dementsprechend aus der passiven Rolle in eine aktive wechseln.

Soweit meine Wünsche.
Und wie kann das alles nun in der Umsetzung aussehen?
Das kann ich selbst noch nicht gänzlich beantworten. Schön wäre es, die Stuttgarter Geschichte zb anhand von vielen verschiedenen Stuttgartern nachzuvollziehen. Damit rückt die Stadt als Gemeinschaft vieler Lebensformen in den Mittelpunkt der Betrachtug. Nicht nur technische Errungenschaften, künstlerisch wertvolle Werke oder politische Entscheidungen, die hier getroffen wurden, erzählen von Stuttgart. Stadt bedeutet auch das, was Lieschen Müller darin macht. Gerade die kleinen Geschichten machen die großen Zusammenhänge erfahrbar.

Als Schlusssatz drängt sich mir mein derzeitiger Ohrwurm auf: „wir müssen nichts so machen wie wirs kennen, nur weil wirs kennen, wie wirs kennen“ und das wünsche ich mir auch für die Umsetzung des neuen Stadtmuseums.
– Oder was meint ihr? Habt ihr vllt noch ganz andere Wünsche an das Museum?

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  1. Liebe Helena,
    heute ist Wunschkonzert-Tag
    Was für ein superschöner Text. Und wievielKraft doch darin liegt, dass man mal seinen Idealvorstellungen folgen darf!
    Ich bin mir sicher, dass viele deiner Wünsche in Erfüllung gehen. Euer Stadtmuseum ist auf einem tollen Weg!
    Herzliche Grüße von Anke

  2. Liebe Helena,
    was für ein toller Text! Und tolle Wünsche!
    Ich stimme mit allen überein. Wünsche mir aber auch explizit, dass sich die Stuttgarter Frauen- und Migrationsgeschichte wie ein roter Faden durch das Museum zieht.
    Liebe Grüße an alle!
    Käthe

  3. Auch ich habe mich animiert gefühlt über meine Wünsche an das Stadtmuseum nachzudenken. Doch an wen richte ich meine Wünsche? An mich? An unser Team? Denn schließlich sind wir verantwortlich dafür was aus unseren Plänen wird.

    Doch auch hier gilt, dass mangelnde Ressourcen die schönste aller Welten verhindert: Personal, Geld, Zeit. Wir Museen stecken da immer wieder im selben Dilemma. Was können wir mit den wenigen Menschen, die bei uns arbeiten erreichen? Wer ist bereit so viel Geld zu investieren? Und für was bekommt ein Museum überhaupt Geld? Tja, und wann soll man das alles noch erledigen?

    Darüber hinaus zu den generellen Fragen eines Museums:

    Welche Aufgaben hat denn ein Stadtmuseum im 21. Jahrhundert? Muss es Gemeinschafts-stiftend oder gar Identitätstiftend sein? Der Weg ist kurz zum Standortfaktor: ein kulturelles Angebot, das vorgehalten werden muss, um die Kreativen in der Stadt zu halten und für die Stadt zu begeistern.

    Können überhaupt alle angesprochen werden? Will der Hipster den Spießer in der Ausstellung treffen? Bzw. was soll eine Ausstellung sein, die beide anspricht? Sind Ausstellungen überhaupt noch ein relevantes Format? Wenn das Museum zum Diskussionsort über Stadt und Stadtgesellschaft wird, ist dann eine Ausstellung das angemessene Medium?

    Und wer will wirklich in einem Museum mitreden, kommentieren oder gar kuratieren? Oder sind das nur Wunschträume von uns Kuratoren? Wer ist denn wirklich bereit im Museum seine Zeit zu investieren? oder gehen wir nicht auch ins Museum, um einfach mal was Neues zu erfahren, uns inspirieren zu lassen und eben nicht sofort auf „da-hab-ich-auch-eine-Meinung-Modus“ umzuschalten?

    Ich bin da manchmal wirklich ratlos. Ist das Museum, dass wir als Team uns wünschen, tatsächlich das Museum, dass sich die zukünftigen Besucher wünschen? Da würde ich mal gerne mehr dazu hören.

    (Markus Speidel. wissenschaftlicher Mitarbeiter Stadtmuseum Stuttgart)

    • Hallo Markus, hallo Helena,
      Ich wünsche mir ein Stadtmuseum als Haltestelle in der Gegenwart auf dem Weg von der Vergangenheit in die Zukunft! Ich möchte mich wohlfühlen, einen Ort finden, an dem ich auch ausspannen und die nahe Stadt mit etwas Distanz betrachten kann (deshalb bitte wieder ein Cafe auf der Treppe!), wo meine Geschichte und meine Geschichten gefragt sind und nicht mein Geldbeutel! Mir hat früher so gut gefallen, dass so viele Leute in den Bau zum Zeitunglesen gekommen sind! Ich stelle mir einen Ort vor, wo ich vieles Interessante finde, der mir aber auch meine Ruhe lässt. Ich möchte nicht bespasst, sondern berührt werden! Mich interessiert, wie Frauen gelebt haben und Kinder! Mich interessiert das Stuttgart der 1920er Jahre und die 1960/1970er Jahre! Oh ich freue mich aufs Stadtmuseum!
      Hoffentlich bis bald,
      Andrea

  4. Liebes Museums-Team,
    eine spannende Frage und direkt ein guter Ansatz von dem ich mir wünschen würde, dass das Museum ihn auch in seinen späteren Alltag integriert – das Crowdsourcing, also das aktive Einbeziehen des Publikums.
    Ich würde mir wünschen, dass das Museum aktuelle Debatten aufgreift, die die Menschen in der Region bewegen – immer in Bezug setzend zu historischen Parallelen. So wird einerseits die Geschichte wach gehalten und ihre Relevanz aufgezeigt, andererseits bleibt das Museum mit seinen Ausstellungen und Veranstaltungen so lebendig. Es darf nicht nur darum gehen, was Stuttgart in der Vergangenheit geprägt hat – es muss vor allem darum gehen, was im hier und jetzt die Stuttgarter bewegt.

    Viele Grüße, Angelika von musermek.de

  5. Liebes Helena, liebes Museumsteam,

    ein prima Blogartikel, mich regt er in erster Linie an, bei dem Spiel „Wünsch Dir was“ mitzumachen. Meine Fantasie galoppiert davon und ich sehe in der Staubwolke freien Eintritt, eine spannende Ausstellung mit informativen Texten, eine live Begleitung via Twitter (falls man als Besucher Fragen hat), eine imposante Präsentation – imposant kann alles und nichts bedeuten (selbst wirklich alte Vitrinen finde ich schon wieder cool), natürlich möchte ich etwas über Stuttgart erfahren, andererseits möchte ich Kunstwerke sehen, die über die Grenzen von Stuttgart relevant sind, ich sehe freies WLan, Fotografieren erlaubt, ein freundliches Team, das einen beim Eintritt empfängt.

    Danke an Markus Speidel für den interessanten Kommentar. Die Frage ob Besucher mit diskutieren und ihre Meinung kund tun sollen/wollen, finde ich sehr spannend. Ich gehe ja erstmal ins Museum, um Neues zu erfahren. Ich kann mir also noch gar keine Meinung bilden. Oft besuche ich ein Museum ja nur 1x, warum sollte ich dann das Museum mit meiner Meinung konfrontieren. Ich lasse mich durchaus gern von Museen belehren, in einem Museum bilde ich mich fort, erfahre etwas über die Geschichte von Städten, Kultur, Natur, Region etc. Es gibt so viele Sachen, die ich noch nicht weiß, da möchte ich mir noch gar keine Meinung oder Urteil zu einem bestimmten Thema erlauben. Viel lieber gehe ich mit einem „Denkauftrag“ nach Hause. Frage mich, was ich gelernt habe, was ist hinzu gekommen, welche neuen Verbindungen konnte ich in meinem Geschichtswissen knüpfen, welche neuen Aspekte hat das Museum beleuchtet, die mir bislang noch gar nicht klar waren. Wie man merkt ist für mich der Bildungsauftrag sehr relevant.

    Außerdem finde ich „Mitmachen“ immer gut. Nicht nur Kinder spielen gern, auch Erwachsene machen gern Sachen mit, das wird viel zu oft vergessen. Warum nicht eine Schnitzeljagd für Erwachsene durch ein Museum? Natürlich ist dies für Erstbesucher besonder spannend. Dazu muss man wissen, wer das Museum besucht, ob es Wiederholungstäter sind oder viele Neu-Besucher.

    Das letzte Stadtmuseum, was mich von den Socken gehauen hat, war das Stadtmuseum Münster. Das lag in erster Linie am Ausstellungsdesign. Dies gefiel mir ausgesprochen gut und bei meinem nächsten Münster-Aufenthalt werde ich das Museum mit Sicherheit erneut besuchen, um tiefer in die Geschichte einzutauchen.

    Um zu dem Kommentar von Markus Speidel zurückzukommen: „Doch auch hier gilt, dass mangelnde Ressourcen die schönste aller Welten verhindert: Personal, Geld, Zeit. “ Leider muss ich sagen: Wie wahr!

    Darum beinhaltet mein Kommentar ein pures Wunschkonzert! Oder wie man in meiner Familie zu sagen pflegt: Wünschen kannst Du Dir alles… 😉

    Viele Grüße
    Wera

  6. Hallo ihr Lieben!
    Dann schreib ich euch jetzt auch mal was dazu.

    Als Stuttgarter:
    Mein Stadtmuseum sollte sich mit der Stadtgeschichte auseinander setzen. Aber nicht nur mit den Nackten Fakten, sondern auch mit dem drumm rumm. Also mit den Menschen, die Geschichte nicht bewerten, sondern helfen einzuordnen (was passierte zur gleichen Zeit woanders o.ä.).
    Dann sollte es sich mit schönen und unangenehmen Dingen beschäftigen. Also schönem wie die Weltmeisterschaft und unangenehmen wie die NS-Zeit, Stuttgart 21, etc.
    Vielleicht auch eine art von Zukunftswerkstatt? Die Ausstellung eine gesunde Mischung aus Exponaten, Texten (auch für Blinde und Taube), verbunden mit Filmschnipseln oder anderen Medialen, interaktiven Darstellungen.
    Auch die Zusammenarbeit der Museen in Stuttgart nach außen offener, bekannter machen. Das Stadtmuseum sollte, wie in anderen Ländern, für Stuttgarter kostenlos sein.
    Vielleicht auch ein Ort an dem Geschichte live nacherlebt werden kann, wo man drüber reden oder diskutieren kann.
    Wechselausstellungen zum mitmachen. Tweetups und und und…. 🙂
    Da fällt mir ein, ich muß euch mal wieder besuchen!

    Als Reiseblogger (reisebloegle.de):
    Hmm gar nicht so leicht. Auf jeden Fall freien Eintritt!
    Als Reiseblogger möchte ich die wichtigsten geschichtlichen Daten kurz und bündig dargestellt bekommen. Mich interessieren interessante Facts die vielleicht gar nicht mehr so bekannt sind (Stuttgart zB Graf Zeppelin auf dem Pragfriedhof). Ein paar unnötige, aber lustige Zahlen findet man auch immer in der Geschichte. Ebenso wie lustige Ereignisse, lustige Erfindungen die es nie zu etwas gebracht haben oder so.
    Vielleicht eine kleine Foto/Video Ecke wo Reisende aber auch Einheimische ihre Eindrücke da lassen können und andere abrufen können.

    Sodele, mehr fällt mir gerade nicht dazu ein.
    Bis bald mal wieder!
    André

  7. Also, gern auch ausführlicher…

    Besonders Frage 1+2 haben mich an das Thema ‚Partizipation‘ erinnert. Das bedeutet bspw für ein Stadtmuseum, die Bürger direkt am Museum zu beteiligen. Wie das passieren kann, ist auch immer der Kreativität der Museumsmitarbeiter überlassen.

    Eine Möglichkeit der Bürgerbeteiligung besteht darin, dass eine Möglichkeit (Raum) geschaffen wird, der nicht durch das Stadtmuseum bespielt wird. Dort können bspw Vereine etwas ausstellen (150 Jahre Kaninchenzüchterverein oder was auch immer) oder auch immer wieder gern angenommen sind Arbeitsergebnisse von Projekttagen an Schulen.

    Ein Stadtmuseum hat oft bereits schon eine interessierte Basis, die sich gerne für das Museum einsetzt/für die Museumsinhalte interessiert. Ich meine damit den Förderverein. Und ‚fördern‘ muss ja nicht immer nur finanziell verstanden werden! Warum sollte die Basis nicht auch dazu genutzt werden, eigene Inhalte für die Dauerausstellung/eine Sonderausstellung erstellen zu können/beitragen zu können?

    Online gibt es in der Zwischenzeit viele Ansätze, die bestimmt auch schon von Euch diskutiert werden!
    Mein persönlicher Favorit sind digitalisierte Bestände mit der Möglichkeit die wissenschaftliche Bearbeitung auch von Nicht- Museumspersonal zu ermöglichen. Social Tagging ist nur ein Beispiel, dass sich für unterschiedliche Anwendungsbereiche adaptieren lassen kann!

  8. Hallo Helena, hallo Markus.
    Wir sind also heut bei „wünsch dir was“… Da reihe ich mich also gern ein, mit meinen Wünschen zu einem Stuttgarter Stadtmuseum. Eigentlich bin ich nicht der große Museumsgänger und -Kenner, aber es gibt einige, die bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Als erstes wäre da das zkm in Karlsruhe zu nennen, das durch seine unglaublich medialen Exponate besticht. So etwas war mir bis dato neu, dass Museum mehr kann, als altes Zeug auszustellen. Der Besucher kann unheimlich viel selbst machen und aktiv teilhaben. So etwas wird natürlich in einem Stadtmuseum nicht umsetzbar sein- muss ja auch nicht. Aber ein, zwei interaktive Besonderheiten wären vielleicht nicht verkehrt. Vielleicht eine riesige Pinnwand, wo jeder Besucher sich unter dem Motto: „du bist Stuttgarter, wenn…“ verewigen könnte? Muss auch nicht digital sein. Ein weiteres Museum, was mir in bleibender sehr positiver Erinnerung geblieben ist, ist das Kafka Museum in Prag. Es hat jetzt hingegen fast keine digitalen Exponate, besticht aber durch seine schonungslos kafkaeske Atmosphäre, mit schiefen Wänden, dunklen Decken, knarzenden Böden, einem bizarren Zusammenspiel von Licht und Schatten und Hintergrundgeräuschen. Auch dieser Synästhesie bedarf es in einem Stadtmuseum nicht unbedingt, aber man sollte das vielleicht doch im Hinterkopf haben, dass solche atmosphärischen Erlebnisse den Besucher ansprechen können. Soweit zur Form. Da aber zu eben dieser ein treffender Inhalt geboten werden sollte, versteht sich von selbst. Von allem, was ich so mitbekomme, seid ihr da auf dem richtigen Weg. Und ja, ich bin der festen Überzeugung, dass ein Stadtmuseum durchaus versuchen sollte, die Stadtbevölkerung abzubilden und damit auch anzusprechen; es wäre schön, wenn sich hier die Killesbergbewohner mit dem Commando Cannstatt trifft, die Königstraßenflanierer mit den südkoreanischen Maschinenbaustudenten, die Theo-Heuss-Gänger mit den Wilhelmabesuchern, die Brezelbäcker mit den Kehrwoch-Ausführenden, die Hofbräutrinker mit den Parkschützern und so weiter. Es sollte Geschichten von Bürgern geben, Witziges, Kurioses, vielleicht Erschreckendes. Zahlen, Fakten aber auch viel Persönliches. Dazu gehört natürlich die NS Zeit, die RAF, aber auch der Hafer- und Bananenblues oder der Pokalsieg des VfB 2007. Die Wahrzeichen der Stadt gehören für mich auch ganz klar dazu – alles was Stuttgart geprägt hat in der Vergangenheit und heute. Ein ganz wichtiger Aspekt für mich ist noch die „Sprache der Stadt“. Dialekt, Regiolekt, Soziolekt, Mundart… Das verbindet die Stuttgarter und auch dafür ist Stuttgart bekannt.
    Hmm, und das alles in einem Museum unterzubringen… Puh, ja, das wird eine Herausforderung. Aber das schafft ihr schon, ihr habt ja auch noch uns!
    Viele Grüße und einen guten Start in die Arbeitswoche!

  9. Ich wünsche mir:
    -Identifikation:
    Gerade in der Stadt sind es die Städter, die Geschichte machen. Von Ihnen zu lernen, die Vergangenheit und die Gegenwart zu verstehen, ist am eindrucksvollsten und macht dazu Spaß. Ein gutes Beispiel ist dabei das Auswanderer-Museum in Bremerhaven, bei dem der Besucher die Aus- bzw. Einwanderung anhand eines Charakters hautnah erlebt. So bekommt Geschichte einen persönlichen Touch und wird emotional erfahrbarer.
    Auch freut es mich, wenn ich Exponate oder Orte se he, die ich kenne: „ah, da war ich als Kind ganz oft“ oder „davon hat mir meine Oma erzählt“. Daher sind ‚Stuttgarter Alltäglichkeiten‘, was auch immer das jetzt alles sein kann, ein guter Weg für die persönliche Identifikation mit der Stadt.
    -Interaktivität:
    Ich bin schon mit Internet und Handy groß geworden und finde eine moderne Ausrichtung von Museen super. Sich a la Facebook am Lieblings-Ort im Museum zu markieren, einen Test wie „Welcher Stuttgarter bist du?“ zu machen und das Ergebnis zu teilen, einen Stadtmuseum-eigenen Hashtag für Instagram-Schnappschüsse zu nutzen, QR-Codes für weiterführende Infos zu klicken, aktuelle Umfragen zu beantworten oder Stadtmuseum-interne Tweets (statt Gästebucheinträge?) zu schreiben – in meiner Generation normal. Wieso also nicht auch im Museum?
    -Inspiration:
    Schön wäre es, wenn ich das Museum nicht nur mit geschichtlichen Daten verlasse, sondern auch mit der Laune, dass hinter den Museumswänden nicht Schluss ist. Dass ich so inspiriert bin, andere, neue Orte in Stuttgart zu erkunden oder mich auf Sonderausstellungen freuen kann.
    -Interesse:
    Es gibt Themen, die mich interessieren – und welche, mit denen ich nichts anfangen kann und/oder möchte. So wird es jedem gehen, daher sollten die Museumsräume für jede Alters- und Interessengruppe was bereithalten. So freue ich mich insbesondere, dass es auch ein Thema wie Stuttgart als ‚Schoss der Kolchose‘ des deutschen HipHops in die Museumswände schafft. Nicht in erster Linie von historischem Wert, aber eine weitere Gruppe im Geflecht der Großstadt – was wieder zu Punkt 1 führt.

    Und weil mir so langsam kein Begriff mehr mit I einfällt, hoffe ich auf weiterhin gute Arbeit des Planungsstabs und freue mich auf die Eröffnung des Stadtmuseums. Schön, dass ihr die künftigen Besucher schon jetzt einbezieht. Ich bin gespannt!

  10. Ich wüsche mir sehr, dass mit dem neuen Stadtmuseum auch viele schöne und interessante Wechselausstellungen gezeigt werden.
    Räume für Sonderausstellungen bieten immer gute Gelegenheiten sich mit Themen/ Genres/ Fragestellungen zu beschäftigen die sich nicht, oder nur im Ansatz, mit Stuttgart beschäftigen. Zudem besteht so die Möglichkeit eines aktuellen Bezugs, die in Dauerausstellungen nicht gegeben ist.

    Vielleicht bietet sich auch die Chance Stuttgarter Künstlern aus verschiedenen Stilen eine Plattform zu bieten. Da ist von Fotografie, über Graffitti oder Performance so vieles möglich.
    Ansonsten: Ein interessanter Text und viele gute Gedanken.

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