• Reklamemarke für Elektrische Haartrockner
  • Von der Siegelmarke zur Reklamemarke. Mit diesen Siegelmarken wurden Briefe verschlossen - sie sind die Vorform von Reklamemarken.
  • Die Reklamemarke Torol wurde von Ludwig Fries entworfen, seine Signatur ist links zu erkennen.
  • Wulle oder Dinkelacker?
  • Reklamemarken verstärkten die Markenbildung - Serie "Eszet-Schokolade"
  • Serie zum "Bleyle"-Anzug von Wilh. Bleyle Stuttgart
  • Diese Marken wurden von der Firma U. Levi gedruckt. Die Graphische Kunstanstalt wurde 1852 in Stuttgart gegründet und bestand über 80 Jahre. 1938 mussten sich die jüdischen Besitzer von dem Unternehmen trennen - unter dem Druck der Nationalsozialisten musste die Familie die Firma für 16200 Reichsmark verkaufen. Die Familie Levi, die sich inzwischen Sander nannte, emigrierten zuerst nach England, danach in die USA. Das Firmengebäude wurde bei einem Fliegerangriff auf Stuttgart am 12./13.09.1944 vollständig zerstört. Von der Firma existiert nur noch eine Akte im Archiv, in vielen Reklamemarken findet sich aber noch der Schriftzug "U. Levi".
  • Serie "Besuchet Stuttgart"

Reklame! Reklame! Reklame!

Sie sind kaum ein paar Zentimeter groß, oftmals nur mit einem Wörtchen oder einem kurzen Ausruf beschrieben, aber sie haben es in sich: Reklamemarken.
Inzwischen sind die bunten, detailreichen Bildchen längst aus der Mode gekommen – schon in den 1920ern wurde Ihnen kaum noch Bedeutung beigemessen – aber ihre Wirkung besitzen sie bis heute.

Als Werbemedium kamen Reklamemarken Ende des 19. Jahrhunderts auf und wurden ursprünglich ähnlich einer Briefmarke als Verschlussmarke auf Postsendungen geklebt und so in der ganzen Welt verteilt. Eine wahre Bilderflut tat sich auf – in millionenfacher Auflage eroberten Reklamemarken die Alltagswelt und das Herz der Sammler. Schon seit ihrer Entstehungszeit waren sie begehrte Sammlerobjekte, die in Alben verwahrt und nach guter Überlegung getauscht wurden.

Ihre Beliebtheit haben sie sicherlich ihrer Gestaltung zu verdanken. Berühmte Graphiker wie Julius Klinger, Lucian Bernhard und Leonhard Fries schufen kunstvolle Ikonen, die sonst auf großformatigen Plakaten zu bestaunen waren – quasi Kunst en miniature. Wie auf Plakaten setzten die Graphiker aus ihrem künstlerischem Selbstverständnis ihre Signatur unter die Marken.

Aber nicht nur der gestalterischer Wert der Reklamemarken ist für die Nachwelt von Bedeutung. Vor allem erzählen die kleinen Werbebildchen von der Konsumkultur und Alltagswelt der Jahrhundertwende. Dementsprechend haben sie einen großen Wert für die Sammlung des Stadtmuseums.
An den kleinen Marken lässt sich die Vielfalt der Warenwelt erkennen und das Entstehen der modernen Konsumgesellschaft. Firmen, Produkte, Stadtansichten, Ausstellungen – all das findet man auf den kleinen Sammlerstücken. Die Marken sind Zeugen von der entstehenden Konsumgesellschaft. Sie zeigen, dass man nicht mehr nur einen beliebigen Gegenstand kaufte – sondern gezielt Markenprodukte. Durch das vielfältige Warensortiment mussten sich die Konsumenten nicht mehr entscheiden, ob sie Schokolade kaufen wollten, sondern ob sie Moser Roth, Eszet oder Waldbaur bevorzugten. Auch dafür waren die Reklamemarken nützlich – sie wurden zu Unterstützern der Markenbildung.

Oftmals sind die Märkchen auch die einzigen habhaften Zeugnisse, die von kleinen Firmen heute noch vorhanden sind. Durch ihre günstige Herstellung konnten sich auch kleine Unternehmen dieses Werbemittel leisten. So sind Reklamemarken einerseits Zeichen des Erfolgs und des Aufstiegs, andererseits auch Zeugnisse der Zerstörung. Viele in den Reklamemarken beworbenen Firmen gibt es nicht mehr. Nach Weltwirtschaftskrisen, zwei Weltkriegen, Verfolgung, Zwangsenteignung, Liquidation und wachsender globaler Konkurrenz haben nur noch wenige der in den Marken beworbenen Unternehmen überlebt.

 

 

Literatur: Sammelwut und Bilderflut. Werbegeschichte im Kleinformat, hrsg. v. d. Stiftung Jüdisches Museum Berlin, Berlin 2014.

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