• Wieviel Information lässt sich ertasten? Foto: Cathrin Haller, Nikolauspflege
  • Ein historisches Stadtmodell wird ertastet. Foto: Cathrin Haller, Nikolauspflege Stuttgart.
  • Modell zu klein und Handschuhe zu grob. Foto: Cathrin Haller, Nikolauspflege
  • Schüler der Klasse W1 der Nikolauspflege vor dem Museumsdepot. Foto: Cathrin Haller, Nikolauspflege Stuttgart.

Das Museum begreifbar machen

Die inhaltlichen Planungen für’s Stadtmuseum und seine Ausstellung schreiten voran und uns treibt zunehmend die Frage um: Wie können wir die Exponate und Inhalte für Sehbehinderte vermitteln und unser Museum im wörtlichen Sinn „begreifbar“ machen? Wir denken, dass wir dies am besten gemeinsam mit den Betroffenen tun sollten und sind seit über einem Jahr mit Lehrerinnen, Schülern und der Leitung der Nikolauspflege in Kontakt.

Dabei lernen wir ständig dazu: In Begleitung der Fachlehrerinnen ertasteten wir Bodenmarkierungen mit den Blindenstock und erlebten mit der eigenen Hand bzw. Arm, wo die Grenzen der Leitsysteme liegen. Bei einem anderen Termin zeigten uns die Schülerinnen und Schüler, dass unsere eigene Webseite für Sehbehinderte einige Hürden bereit hält. Hier müssen wir uns selbstkritisch an die Nase packen und für Verbesserungen sorgen. Und es ist sehr lehrreich, einfach zuzuhören, wenn die Schüler und Lehrenden von ihren Erfahrungen mit Museen und Ausstellungen berichten.

Schon lange geplant war ein gemeinsamer Besuch in unserem Museumsdepot. Uns beschäftig vor allem die Frage, wie viele Informationen zu den Objekten und Inhalten sich ertasten lassen und welche begleiteten Medien sinnvoll sind. Sind begleitende Tastmodelle – zum Beispiel von der Stuttgarter Topografie – tatsächlich hilfreich? Und wie können wir sie möglichst gut machen?

Wir waren ein bisschen aufgeregt, als am 26. Juni Cathrin Haller, Fachlehrerin für Geschichte und sechs Schülerinnen und Schüler der Klasse W1 vor der Tür unseres Museumsdepots standen. Und ja, wir haben auch bei diesem Termin wieder vieles dazu gelernt: Die gläserne Haube über unserem historischen Stadtmodell spiegelt zu arg und das Modell ist weit weniger selbsterklärend, als wir dachten. Die topografischen Modelle funktionieren dagegen überraschend gut, wobei eines als zu klein empfunden wurde und wir auch hier zusätzliche tastbare Informationen ergänzen sollten. Die Handschuhe stören, egal ob aus Baumwolle oder Nitril. Die einen sind zu dick zum Ertasten von Details, die anderen lassen sich schwer anziehen und die Hände schwitzen nach kurzer Zeit. Und es ist besser, ein Objekt tatsächlich in die Hände nehmen zu können als es nur fest montiert zu betasten.

Das mag jetzt vielleicht alles sehr kritisch klingen, aber das ist das Beste, was uns passieren kann. Denn jetzt können wir noch korrigieren und verändern. Wenn die Ausstellung einmal steht, wird es ungleich schwieriger. Daher freuen wir uns auf weitere Treffen im neuen Schuljahr!

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  1. Cooler Beitrag. Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit im nächsten Schuljahr. Wir freuen uns auch auf den Besuch im Museum, wenn es fertig ist. Wir hätten noch einen kleinen Verbesserungsvorschlag ob es eventuell möglich wäre, dass Objekte Beschreibungen in größerer Schrift erhalten könnten.
    Viele Grüße: Elina, Max, Maxi, Paul und Sascha

    • Liebe Elina, Max, Maxi, Paul und Sascha,
      danke für eure nette Rückmeldung. Euer Hinweis auf die Beschriftung der Objekte ist sehr gut und wichtig, weil dies meist ein „heißes Eisen“ in der Diskussion mit den Gestaltern der Ausstellung ist. Und es ist ja im Interesse aller Besucher, dass die Texte in Bezug auf Schriftgröße und Kontrast gut lesbar sind.
      Herzliche Dank nochmals, dass ihr da wart. Ich freue mich auch sehr auf die weitere Zusammenarbeit und wünsche euch bis dahin schöne Sommerferien!

  2. jo binn selbst sehbehindert und freue mich, dass man Rücksicht darauf nimmt^^. Freu mich schon wenn das Museum fertig is.

  3. Ich kann euch auch nur ermutigen, solche Angebote gemeinsam mit den Schulen auszuprobieren und dann die Rückmeldungen einzusammeln. Ich habe auch schon einige Blinden-Führungen organisiert und durchgeführt. Mir war das mit den Handschuhen z.B. auch nicht klar! Das ist eine sehr wichtige Information! Super auch, dass hier Betroffene kommentieren! Das ist doch ein schönes Kompliment für euer Blog. Und ein Beweis dafür, dass man seine Zielgruppe erreicht hat.
    Herzliche Grüße aus dem Rheinland
    Anke aka Kulturtussi

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