• Zur CSD-Kulturwoche wurde die Stadt bunt beflaggt, hier am Schlossplatz
  • Plakat des AK Lesbenpolitik für den Christopher Street Day 2001. Auf der Rückseite befindet sich ein Spiegel.
  • Selbstgestaltetes Plakat der Initiativgruppe Homosexueller von der Demonstration für die Rechte homosexueller Menschen am 30. Juni 1979 in Stuttgart

Runde Zwei für LSBTTIQ

Wir sammeln LSBTTIQ*-Geschichte. Letztes Jahr haben wir dafür einen Sammlungsaufruf gestartet und momentan sind wir mittendrin in Runde zwei.

Letzte Woche haben wir gemeinsam mit der IG CSD e.V. im Cinemaxx einen Film über die Kommunistin und Frauenrechtlerin Hilde Radusch gezeigt. Unter dem Motto „Sichtbar werden: Lesbische Emanzipation“ diskutierten unsere vier Gäste gemeinsam mit dem Publikum, wie und wo lesbische Emanzipation sichtbar ist und wo sie z. B. im Vergleich zur schwulen Emanzipation beinahe unsichtbar ist. Ein klares Fazit der Diskutantinnen und des Publikums war: Lesbische Emanzipation muss sichtbar sein und werden! Als zukünftiges Stadtmuseum aller Stuttgarterinnen und Stuttgarter wollen wir dazu beitragen. Deshalb haben wir uns zur Aufgabe genommen die gesamte lsbttiq-Geschichte Stuttgarts zu dokumentieren, um sie auch in der Ausstellung sichtbar zu machen.

Gemeinsam mit der IG CSD suchen wir deshalb nun schon im 2. Jahr nach Objekten, die ein Stück Stadtgeschichte erzählen. Nach einem Jahr Sammlungsaufbau ist unser Bestand schon ein ganzes Stück gewachsen: Wir haben tolle Fotos bekommen, z. B. aus den 1970ern. Sie zeugen von einer frühen und engagierten Bewegung in Stuttgart. Beispielsweise organisierten Schwule und Lesben Büchertische auf der Königstraße, um Passanten über Themen der gleichgeschlechtlichen Liebe zu informieren. Einige Aktivisten trafen sich zum „Tuntenklatsch“ mitten in der Stadt und bauten Tische für das gemeinsame Kaffeekränzchen auf, um auf sich aufmerksam zu machen. Oder sie liefen bei der ersten Demo in Stuttgart 1979 in bunten Konstümen und mit großen Transparenten durch die Stadt und sprachen sich für die Gleichstellung Homosexueller aus. Wir haben auch viele Plakate und Flyer von Veranstaltungen geschenkt bekommen, wie z. B. das Plakat zur Oberbürgermeisterwahl  als mit dem Wahlspruch „Firlefanz statt Toleranz“ 1982 „schwul in die Zukunft“ geblickt werden sollte. Wir konnten inzwischen auch Zeitzeugeninterviews führen, in denen uns persönliche Erfahrungen geschildert wurden, die Erinnerungen an den ersten „Homobefreiungstag“ wach gerufen haben und uns die Clubszene der 1960er, 70er und 80er Jahre erläutert haben.

Aber wir wollen noch mehr! Und dafür brauchen wir Eure Hilfe!

Für die Ausstellung im zukünftigen Stadtmuseum wünsche ich mir vor allem dinghafte Hingucker, also ein tatsächliches Objekt, das zum Beispiel mit einer persönliche Geschichte verbunden ist.

Was das sein könnte? Das ist schwer zu sagen, theoretisch alles, was im lsbttiq-Umfeld eine Geschichte erzählen kann. Das könnte zum Beispiel ein Transparent von einer der ersten Demos oder CSDs in Stuttgart sein. Oder die Kiste vom Dachboden, die mit Erinnerungsstücken an eine große Liebe in Stuttgart bestückt ist. Oder das Kleidungsstück von Eurer Verpartnerung in Stuttgart. Oder das „rosa Telefon“, das als erste Beratungsstelle für Schwule eigerichtet wurde, aber leider nie rosa war.  Oder der Button „Aufstand der Perversen“, der auf Fotos bei der Demo 1979 am Revers eines Beteiligten zu erkennen ist. Oder das Schild „Mein Sohn ist schwul – Na und!“, das eine Mutter während der besagten Demo stolz vor dem Königsbau präsentierte. Oder das Ladenschild eines beliebten Szenetreffs. Oderoderoder…

Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt – einzige Einschränkung: der Bezug zu Stuttgart muss irgendwie erkennbar sein. Sei es, dass das Objekt einer Stuttgarterin gehörte, es in Stuttgart gefertigt wurde, in Stuttgart getragen wurden o. ä.

Jetzt seid also Ihr dran: Rauf auf die Dachböden und ab in die Keller und macht Euch auf die Suche nach spannenden Objekten! Wer etwas für uns hat, der melde sich bitte: stadtmuseum@stuttgart.de oder 0711/2196400.

*LSBTTIQ steht für: lesbischschwulbisexuelltranssexuelltransgenderintersexuell und queer

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