• Das erste Waldheim überhaupt ist das in Heslach. Foto: Waldheim Heslach
  • Im Stuttgarter Waldheim in Sillenbuch trat oft ein Kasperle-Theater auf. Abbildung: Sammlung MUSE-O
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Arbeiterwaldheime, eine Stuttgarter Erfindung

Auch die „Freien“ haben im Planungsstab „ihre“ Themen, die sie recherchieren und aufbereiten. Bei mir ist es unter anderem die Arbeitergeschichte Stuttgarts. Was nur wenige wissen: Unsere Stadt war über viele Jahrzehnte ein Schwerpunkt der organisierten Arbeiterbewegung Deutschlands.

Hier „erfand“ im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts der linke Sozialdemokrat Friedrich Westmeyer das Waldheim. In ihm sollten sich die Werktätigen nach der harten Arbeit in den Fabriken auf ein freies Wort und ein Glas Bier treffen können – selbstorganisiert, ohne Angst vor Spitzeln und ohne profitgierigen Wirt. Im innerparteilichen Wettlauf waren allerdings die rechten Genossen schneller und eröffneten im Jahre 1908 das nach wie vor bestehende Waldheim Heslach. 1909 folgte dann das heute Clara-Zetkin-Haus genannten Waldheim Stuttgart in Sillenbuch. Weitere Arbeiterwaldheime kamen in den Folgejahren hinzu. Die Idee machte Schule: Auch die Kirchen und andere Institutionen übernahmen sie und schufen eigene entsprechende Einrichtungen.

Diese Geschichte wollen wir auch im Stadtmuseum erzählen, es fehlt aber noch ein wesentlicher Bestandteil jeder Ausstellung: das passende Exponat. Als die Nationalsozialisten 1933 die Waldheimvereine enteigneten und die Häuser für ihre Zwecke übernahmen, zerstörten sie Dinge, die an die sozialistischen Wurzeln der Waldheimbewegung erinnerten. Und unter dem Druck der Verfolgung taten die verjagten Waldheimleitungen gut daran, ihre Unterlagen verschwinden zu lassen.

So besitzen die noch heute bestehenden Waldheimvereine zwar noch das eine oder andere Bild, auch einige in der Nazizeit versteckte Akten, aber keine dreidimensionalen Objekte aus der Zeit vor 1933. Auch die sonstige Suche blieb bisher erfolglos. Einmal waren wir ganz knapp dran: Ein Internethändler bot einen Porzellanteller mit der Inschrift „Gestohlen im Waldheim Stuttgart“ an; wir bestellten und bezahlten sofort – aber das Teil war im Lager des Verkäufers nicht mehr auffindbar.

Vielleicht hilft ja dieser Blogbeitrag weiter, vielleicht weiß ja eine Leserin oder ein Leser, wo mögliche Exponate zur Stuttgarter Waldheimgeschichte stecken könnten. Auch an guten Fotos zum Thema sind wir nach wie vor interessiert.

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