Röhrende Motoren und ein weißes Krokodil

Die Stuttgarter Zeitung hat heute das Interview mit den DiGennaro Brüdern gedruckt. Wir blicken insgesamt auf die 60er in Stuttgart zurück. In den „Roaring 60ies“ röhren in Stuttgart vor allem die Motoren. Der autogerechte umgestaltete Charlottenplatz wird 1962 dem Verkehr übergeben. Von 1961 bis 1964 fanden auf der Solitude Formel I Rennen statt, auch hier röhrten also die Motoren. 1962 wird der Generalverkehrsplan veröffentlicht und damit wird der City-Ring endgültig  zur Umsetzung freigegeben. Doch zurück zum Charlottenplatz. Dort wird 1965 im Wilhelmspalais die Stadtbücherei eröffnet.

Weiterhin wird Stuttgart auch in den 1960ern von Bautellen geprägt.

Weiterhin wird Stuttgart auch in den 1960ern von Bautellen geprägt.

Die 60er sind aber auch das Jahrzehnt der Anwerbeabkommen. 1960 mit Griechenland und Spanien. 1961 mit der Türkei. 1963 mit Marokko und Südkorea. 1964 mit Portugal. 1965 mit Tunesien und 1968 mit Jugoslawien. Nach Stuttgart kommen sehr viele der sogenannten „Gastarbeiter“, die Wirtschaft boomt und braucht Arbeitskräfte. Sie werden Stuttgart verändern und zu der vielfältigen Stadt machen, wie wir sie heute kennen.

Mit viel Zuversicht und der Hoffnung auf gut verdientes Geld kamen in den 1960ern viele junge Menschen nach Stuttgart. Die sogenannaten "Gastarbeiter". Foto: J. Castilla

Mit viel Zuversicht und der Hoffnung auf gut verdientes Geld kamen in den 1960ern viele junge Menschen nach Stuttgart. Die sogenannaten „Gastarbeiter“. Foto: J. Castilla

Der Wohnungsbau geht in Stuttgart weiter, auch die beiden Hochhäuser der Uni werden fertiggestellt. Und 1961 findet wieder eine Gartenschau in Stuttgart statt. Jetzt heißt sie Bundesgartenschau und wieder ist der Killesberg Austragungsort. Aber auch der heutige Ferdinand-Leitner-Steg, damals noch Schillersteg, wird für die Bundesgartenschau gebaut. Im selben Jahr kommt John Cranko in die Stadt und damit beginnt, was 1969 als Ballettwunder bezeichnet wird. Stuttgart ist seitdem ein internationales Zentrums des Balletts.

Auch politisch passiert vieles. 1969 wird Willy Brandt Bundeskanzler und schöpft sein geflügeltes Wort „Mehr Demokratie wagen“. Bereits seit 1964 existiert in Stuttgart der Club Voltaire und 1965 gibt es die Initiative „Rettet den Neckar„, um etwas gegen seine Verschmutzung zu unternehmen. Ab 1967 wird mit der Schutzgemeinschaft Filder schon deutlich mehr Mitspracherecht verlangt, als man in Stuttgart gewöhnt ist. Ein wichtiges Motiv der deutschen Außerparlamentarischen Opposition wird in Stuttgart gestaltet. Das Plakat mit der Aufschrift: „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ Darunter die Köpfe von Marx, Engels und Lenin.

Der Erfinder der roten Karte. Der Stuttgarter Schiedsrichter und Schneidermeister Rudolf Kreitlein.

Der Erfinder der roten Karte. Der Stuttgarter Schiedsrichter und Schneidermeister Rudolf Kreitlein.

1967 erwirbt die Wilhelma ein weißes Krokodil, das für Jahrzehnte eine der wichtigsten Attraktionen des Zoos sein wird. Ach ja, und natürlich war die Queen 1965 in Stuttgart und hat nie gesagt: „where are the horses?„.

Und bei der WM in England 1966 kommt der Stuttgarter Schiedsrichter Rudolf Kreitlein auf eine bahnbrechende Idee. Er erfindet die rote und gelbe Karte.

Was wir aber nicht wissen ist, wo hing ging man am Wochenende aus? Welche Bars und Kneipen waren angesagt? Fühlten sich die 60er nach Aufbruch oder Baustellen an? Sparte man oder verprasste man das Geld?

Sie haben Antworten? Dann melden Sie sich bei uns und erzählen uns über Ihre 60er in Stuttgart. stadtmuseum@stuttgart.de

0711 – 216 96792

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