• »Neckartorstaub 2015« von Erik Sturm
  • Der Künstler Erik Sturm bei der Staubbergung. Aufnahme: Martin O. Becker.
  • Neckartorstaub unter dem Rasterelektronenmikroskop
  • Neckartorstaub unter dem Rasterelektronenmikroskop
  • Neckartorstaub unter dem Rasterelektronenmikroskop
  • Neckartorstaub unter dem Rasterelektronenmikroskop

Leise rieselt der… Feinstaub

Wie alle Jahre wieder, suchen wir bis zum letzten Bürotag vor Weihnachten nach herausragenden Stücken für unser Museum. Und es gelingen uns immer wieder überraschende Fänge, über die ich mich rückblickend sehr freue. In diesem Jahr hatten wir schon mal Weihnachtsfeeling im August, denn da bekamen wir die Panda-Maske des bekannten Rappers Cro geschenkt. Lange sah es nicht so aus, als ob es ein weiterer Ankauf oder eine Schenkung in die Top Ten unserer Neuzugänge von 2015 schaffen würde. Aber die Beschäftigung mit unserer allerjüngsten Stadtgeschichte brachte den Erfolg.

Stuttgart ist weltweit als Autostadt bekannt. Dieser Geschichte bis in die allerfeinsten Details nachzugehen, ist unsere Aufgabe. Und die im Frühjahr begonnene Diskussion um die »Feinstaub-Hauptstadt Stuttgart« brachte uns auf die Idee: Wir möchten die Situation im Talkessel im Museum sichtbar machen. Dazu trafen wir einen erfahrenen Staubsammler.

Am letzten Freitag brachte mir der Stuttgarter Künstler Erik Sturm ein kiloschweres Einweckglas mit der Aufschrift: »Neckartorstaub 2015«. Seit 2012 beschäftigt sich Erik Sturm mit Feinstaub und nutzt ihn für Kunstaktionen: »Negativlinie« heißt eine seiner Arbeiten, die 2012 in Ungarn entstanden ist. Und mit Feinstaub als Pigment malt Sturm seit 2014 auch grau-schwarze Bilder. Sie heißen »Neckartorschwarz«.

Um das Einweckglas zu füllen hat Erik Sturm vom 15. bis 20. November 2015 an der Rückseite des Amtsgerichts, in unmittelbarer Nähe der Messstation am Neckartor, Staub von sieben Fensterbänken geschabt und gesaugt. Das Glas mit den teils gesundheitsgefährdenden Partikeln ist zur Sicherheit fest versiegelt. Zum Einmachglas gehören auch beeindruckende Fotos der verschiedensten Partikel, wie sie unter dem Rasterelektronenmikroskop im Max-Planck-Institut für Festkörperforschung zu erkennen sind: Silicate, Rost, Salz, organische Substanzen u.v.a.

Als ich Erik Sturm anrief, um ihm zu sagen, dass wir gerne ein Feinstaubwerk von ihm im zukünftigen Stadtmuseum zeigen möchten, war er erfreut und überrascht zugleich. Es stellte sich heraus, dass Sturm genau an diesem Tag herausgefunden hatte, dass ein chinesischer Künstler ein Jahr lang mit einem Staubsauger durch Peking gelaufen war und den dabei eingesaugten Feinstaub in eine Ziegelsteinform pressen ließ.

Ob der chinesische Feinstaubstein in Peking ins Museum kommt, wissen wir nicht. Aber wir haben jetzt ein sehr anschauliches Exponat für eine der aktuellsten Diskussionen in unserer Stadt.

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  1. Liebes Stadtmuseum,ich kann sie nur zu ihrer neuen Erungenschafft gratulieren denn ich weiß ganz genau wieviel
    Herzblut von Erik Sturm in dieser Arbeit steckt denn ich kenne ihn schon 33 Jahre.Mann sollte ihn im Auge behalten. Herzliche Grüße Karin Sturm

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