• In der Kirchgasse fuhren mal Autos. Das Foto ruft bei vielen Älteren Erinnerungen wach. Foto: Robert Speiser
  • Ein Ort vieler Erinnerungen. Der Cannstatter Wasen. Foto: Robert Speiser
  • Wahrscheinlich der Ort mit der höchsten Fotodichte in Stuttgart. Diese jungen Männer sind als Gastarbeiter in die Stadt gekommen. Mit diesem Foto haben sie der Familie gezeigt, dass es ihnen hier gut geht. (c) J. Castilla

Foto-grafisches Gedächtnis

Während sich Autoren oft mit dem ersten Satz ihres Buches beschäftigen, bereitet uns das letzte Kapitel einer Dauerausstellung immer Kopfzerbrechen. Wie hört man auf? In welchem Jahr? Was waren die relevanten Ereignisse in den letzten 70 Jahren? Wie kann ich die bewerten? Kann ich die überhaupt bewerten?

Schwierig. Also, ganz im Sinne von nicht einfach. Zumal der überschaubare Platz den wir haben das alles nicht einfacher macht. Und die Objekte? Vieles sieht halt so aus, wie die Dinge, die wir alle zuhause haben oder am Wochenende auf dem Flohmarkt verkaufen bzw. einkaufen. Gebrauchs- und Alltagsgegenstände eben. Noch so ein Punkt ist, dass die Besucher bis sie in dem Teil der Ausstellung ankommen schon etwas unterwegs sind und müde werden, und lieber ins Café abbiegen wollen.

Wer das Blog in den letzten Monaten verfolgt hat, ist über den ein oder anderen Beitrag gestolpert bei dem wir zusammen mit der Stuttgarter Zeitung die Stuttgarterinnen und Stuttgarter aufgerufen haben sich bei uns mit ihren Erinnerungen zu melden. Was auch viele getan haben (und im Moment sortieren wir die Rückmeldungen) und was uns die Lösung für unser Dilemma bietet. Eine der wichtigsten Museumsressourcen für die Zeit seit dem 2. Weltkrieg sind Fotos und Filme. Zunehmend mehr davon werden Tag für Tag produziert. Sie sind darüberhinaus ein wichtiger Anker für unsere Erinnerung: das Foto von der Einschulung, der Urlaub in Spanien, die Klassenfahrt nach Paris und natürlich das Selfie im alten Mercedes-Museum (das damals noch so hieß, und ja, ich habe eine Auto angefasst). Jeder von uns schaut auf diese Bilder und die Erinnerungen sprudeln. Wahrscheinlich hat ein Projekt wie das Stuttgart-Album deswegen solche Erfolge. Auch kessel.tv kramt in alten Fotokisten und erinnert sich an die 90er.

Wir wollen solche Fotos in die Ausstellung holen. Eine große Zahl soll als Papierabzug ausgestellt werden; sie zeigen Menschen, Orte und Ereignisse aus den den letzten 65 Jahren, bunt gemischt. Von Profifotografen und Laien gemacht, sollen sie die Besucher zur eigenen Erinnerung ermuntern. Was kenne ich, was ist neu für mich, was fehlt? Über Medienstationen sind noch mehr Bilder abrufbar. Zu vielen Fotos gibt es Erzählungen von Stuttgarten. Sie erzählen in kurzen Videos von ihrem Stuttgart. Wer will kann Fotos kommentieren oder die Sammlung mit eigenen Aufnahmen ergänzen, von zuhause oder in der Ausstellung. So kommen immer mehr Bilder dazu und immer mehr Geschichten. Aber jeder kann auch in der Ausstellung seine Lieblingsfotos und Lieblingsgeschichten zusammenstellen und damit seine Stuttgarter Geschichte komponieren.

Zusammen ergibt das ein facettenreiches Bild der Stadt mit vielen Geschichten, Erinnerungen und ganz unterschiedlichen Perspektiven. Dabei wird die „große“ Geschichte nicht fehlen, aber sie wird wahrscheinlich aus vielen verschiedenen Blickwinkeln erzählt, und das Museum wächst an dieser Stelle immer weiter. So haben wir über die bisherigen Rückmeldungen Geschichten von Bandproben in Bunkern, Zivildienstleistenden in den 1960ern, Besuche auf der Gartenschau 1950, Kehrwoche in den 1960ern, VfB Meisterschaft 2007, Clubabende im Radio Barth Gebäude in den 00er Jahren, vom Wahlkampf mit Willy Brandt und von nächtlichen Besichtigungen der Fernsehturmbaustelle in den 50ern.

Und wer immer in die Startaufstellung kommen will, soll sich bei uns melden:

stadtmuseum@stuttgart.de

0711- 21696403

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  1. Hallo Markus,
    Super Idee! Bin schon sehr gespannt auf die Eröffnung! Wollte euch unbedingt noch eine Geschichte erzählen! Sammelt ihr noch Geschichten? Zur Stadtgeschichte Stuttgart gehört auch der „Kinderladen Hegelstrasse“. Der „Kindi“ war vermutlich der erste „Kinderladen“ Stuttgarts, gegründet Ende der 1960er Jahre in einer alten Baracke umgeben von einem verwilderten Garten. Träger war das Studentenwerk. Mit 2 Kindern dort in den 1980ern und 1990er kann ich ein bisschen von der Geschichte dieses besonderen Ortes erzählen! Viele Grüße Andrea

  2. …aktuell sammele ich „Harry Gelb“. Stuttgart-Sammlungen habe ich über:
    Wirtshausschilder
    Denkmale
    Brunnen
    Rössle
    etc.

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