• Bauklötze be-staunen
  • Markus Merz, Rektor der Merz Akademie und Geschäftsführer der Merz-Holding, übergibt Dr. Anja Dauschek, Leiterin Planungsstab Stadtmuseum Stuttgart, die von seinem Großvater Albrecht Leo Merz entwickelte „Bauschachtel“ für die künftige Ausstellung im Wilhelmspalais.
  • Gut verpackt die Zeiten überdauert: die Bauschachtel des Werkhauses Albrecht Leo Merz Stuttgart
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Bauklötze staunen

Bauklötze staunen konnten wir kürzlich bei einem Termin in der Merz Akademie – genauer gesagt: Bauklötze bestaunen.
Und zwar, wie kann es anders sein, historische Bauklötze. Bunt und vielgestaltig haben diese in der Original-Bauschachtel des Werkhauses Albrecht Leo Merz Stuttgart die Zeiten überdauert und wir vom Stadtmuseum Stuttgart sind ja beständig auf der Suche nach interessanten Objekten, die Stadtgeschichte erzählen. Die geschichtsträchtige „Bauschachtel“ wurde dem Stadtmuseum daher von der Merz-Holding, nein, nicht zum Spielen (…hier wird fleißig auf die Eröffnung im kommenden Jahr hingearbeitet) und nein, auch nicht zum Bauen (…Baustelle gibt es im Wilhelmspalais momentan mehr als genug), sondern, ja, für seine künftige Ausstellung überreicht. Die private staatlich anerkannte Merz Akademie, die Merz-Schule und das Merz-Internat gingen aus der als Bildungs- und Erziehungsinstitution „Werkhaus-Werkschule Merz“ im Jahr 1918 gegründeten Stuttgarter Einrichtung hervor. Als Lehr- und Lernkonzept führte der Gründer A. L. Merz die Methode Erkennen und Gestalten in allen Bereichen ein. Merz war überzeugt, dass nur durch eine ganzheitliche Ausbildung im wissenschaftlichen, künstlerischen und handwerklichen Bereich, die schöpferischen Kräfte der Menschen entfaltet werden. Die von ihm entwickelte „Bauschachtel“, bestehend aus Holzelementen unterschiedlicher Größe und Form, sollte der Fantasie des Kindes freien Raum lassen und gestalterische Fähigkeiten fördern.

Das dürfte auch meiner Kollegin Silvia Gebel gefallen, die die baukulturellen Angebote des Stadtlabors für Kinder entwickelt – hier kommen heute aber mit Fantasie und Kreativität noch viel mehr Materialien zum Einsatz.

Wir vom Stadtmuseum freuen uns jedenfalls sehr über dieses sprechende Objekt und dass dem Stadtmuseum Stuttgart private Institutionen wie die Merz Akademie, aber auch Stuttgarter Bürger und Vereine ihre stadtgeschichtlichen Schätze anvertrauen. Im Stadtmuseum Stuttgart steht dieses künftige Exponat stellvertretend für die Geschichte der Reformschulen in Stuttgart. Die Lebensreformbewegung (im weiteren Sinne) hatte Anfang des 20. Jahrhunderts in Stuttgart viele Anhänger. Homöopathie und Naturheilkunde standen zu dieser Zeit hoch im Kurs, mehrere Licht- und Luftbäder entstanden und in nur wenigen hundert Metern Abstand entwickelten sich in Stuttgart drei Reformschulen: neben der Waldorfschule die Merz- und die Heidehofschule.

Übrigens:

Die Redewendung „Bauklötze staunen“ ist erstmals im frühen 20. Jahrhundert in Berlin aufgekommen. Dort sagte man „Jlotzen machen“, wobei „Jlotzen“ eine Kurzform von „Jlotzoogen“ ist. Beides bedeutet im Hochdeutschen so viel wie „Glotzaugen“. Aus „Jlotzen machen“ wurde im Laufe der Zeit „Jlotzen staunen“, bis auch „Jlotzen“ schließlich durch das fränkische Wort „Klozzer“ ersetzt wurde. Nach vielen Jahren der Überlieferung, bei der der Ursprung der Redewendung in Vergessenheit geraten ist, hat sich die Formulierung in unserer jetziges „Bauklötze staunen“ entwickelt. Die Redensart „Bauklötze staunen“ ist also aus dem Ausspruch „Glotzaugen machen“ entstanden. (Jessica Adorf)

 

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