• Reinigung der Parzen mit einem Trockenreinigungspulver. Dieses wird mit einem Pinsel aufgetragen und danach wieder abgesaugt.
  • Reinigung der Parzen mit einem Trockenreinigungspulver. Dieses wird mit einem Pinsel aufgetragen und danach wieder abgesaugt.
  • Uhrengehäuse aus Terrakotta des Stuttgarter Bildhauers Dannecker, Dargestellt ist eine sogenannte Parzengruppe. Hierbei handelt es sich um die Schicksalsgöttinnen aus der römischen Mythologie

»Smells like Dannecker spirit…«

Anfang April wurden die Vitrinen im Erdgeschoss des Hegelhauses geöffnet, um die darin enthaltenen Skulpturen und die Uhr des Stuttgarter Bildhauers Johann Heinrich Dannecker zu reinigen. Seit der Eröffnung des Hegelhauses im Jahr 1991 befanden sich die Stücke in ihrer Vitrine. An dieser Stelle sollten wir uns vielleicht noch einmal kurz vor Augen führen was 1991 alles so los war: die Sowjetunion hat sich aufgelöst, Helmut Kohl war Bundeskanzler, der 1. FC Kaiserslautern wurde tatsächlich deutscher Fußballmeister und zwei Wanderer entdeckten in den Südtiroler Bergen eine aufgetaute Mumie, heute bekannt als Ötzi.

Mit diesen äußeren Eindrücken wurden Danneckers Kunstwerke also in ihre Vitrine gestellt und verblieben dort unangetastet bis heute. Nun kann man sich natürlich fragen wie es sein kann, dass diese kostbaren Kunstschätze nur einmal im Vierteljahrhundert gereinigt werden. Die Antwort darauf ist ganz einfach: die Vitrinen sind zwar dicht verschlossen, die Staubkörnchen finden aber dennoch ihren Weg durch kleinste Ritze. Es handelt sich dabei nur um sehr wenig Staub, doch auch dieser setzt sich ab und muss eben irgendwann wieder entfernt werden. Kehrwoche light, quasi. Die Objekte wurden also nach und nach auf einem gut ausgeleuchteten Tisch mit Pinsel, Pulver und Sauger gereinigt und vom wenigen, aber dennoch vorhandenen, Staub befreit. Zusätzlich bietet es sich bei solch einer Gelegenheit gleich an, die Objekte für die hauseigenen Datenbank zu fotographieren und die auch Vitrine von innen einmal gründlich zu wischen.

Wenn schließlich wieder alles an Ort und Stelle steht, die schwere Glasfront wieder eingesetzt wurde und man dann noch einen vergessenen Fingerabdruck auf der Innenseite der Scheibe entdeckt, so weiß man, dass dieses kleine Zeugnis der eigenen Existenz dort vielleicht für die nächsten 25 Jahre bleiben wird. Ein zeitloser Klassiker. Wie Danneckers Skulpturen. Oder Nirvanas legendäre Platte »Nevermind«, die übrigens auch 1991 erschien.

Anna Stützle, Praktikantin im Stadtmuseum Stuttgart im April 2016

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