• Objekt der Begierde: Sofa aus dem Jahr 1965 von Herbert Hirche
  • Mein Foto für den Flyer

Praktikum beim Planungsstab – die Quadratur des Kreises?

Die sechs Wochen meines Praktikums neigen sich dem Ende zu und an dieser Stelle soll ich auch die Öffentlichkeit an meinen Erfahrungen teilhaben lassen. Ein Resümee. Eine Review. Bei Review klingelt es bei mir im Kopf. Review, klar! Wie bei einer Platte. Wenn man Praktikum eine Platte gewesen wäre, welche wäre es dann? Bestimmt was von Freundeskreis. Das kann man einfach immer hören, das geht gut ins Ohr und ins Bein und man wird dieser Musik (selbst nach Jahren) nicht überdrüssig. Der lokale Bezug ist hierbei natürlich noch das Sahnehäubchen auf der Cocktailkirsche des Eisbechers.
Ich durfte mein Ohr also sechs Wochen auf die Schiene der Stuttgarter Stadtgeschichte legen und in dieser Zeit habe ich viel gesehen und erlebt. Ich durfte für verschiedene Themen zur Ausstellung recherchieren, bei Zeitzeugeninterviews dabei sein und assistieren, an einer Auktion teilnehmen (nicht online auf Ebay, sondern so richtig; mit Schildchen und Auktionator), und ein Spritzenbesteck eines Plieninger Zahnarztes so oft fotografieren, dass jeder Hollywood Star bei der Anzahl der Bilder vor Neid erblassen würde. Das beste Bild ist übrigens auf dem aktuellen Flyer für die erste Sonderausstellung in Plieningen gelandet. Dort kann auch die besagte Spritze noch bis November bewundert werden.Kaffee habe ich übrigens ausschließlich für mich selbstgekocht, um kurz die Klischee-Schublade zu öffnen.
Das Lieblingslied meines Praktikumalbums ist aber wohl definitiv das Depot des Stadtmuseums. Dunkel, kühl und menschenleer sind meiner Meinung nach nur einige der Vorzüge. Dort ruhen nicht nur Schätze für den Musikliebhaber in mir, wie beispielsweise eine Goldene Platte der Fanta Vier (für Cros Pandamaske kann ich dank meines fortgeschrittenen Alters wohl nicht mehr so viel Begeisterung aufbringen), sondern auch für die Möbelliebhaberin in mir. Ganz besonders angetan hat es mir hierbei ein Sofa aus dem Jahr 1965 von Herbert Hirche, in das ich mich auf den ersten Blick verliebt habe. Hirche war sowohl Dozent als auch Rektor an der Stuttgarter Akademie der bildenden Künste und steht mit seinen harmonischen und klaren Formen exemplarisch für seine Zeit. In Gedanken steht das Sofa natürlich schon in meinem Wohnzimmer, in das es im Übrigen wunderbar passt. In der Realität sieht das leider ein bisschen anders aus und das Sofa steht immer noch im Depot. Mein ausgeklügelter Plan, doch noch an das Schmuckstück zu kommen beinhaltet übrigens einen Schrumpfstrahler, den ich aber erst noch erfinden muss. Falls jemand zufällig einen hat, darf er sich natürlich gerne bei mir melden.
Rückblickend betrachtet war mein Praktikum tatsächlich wie eine Freundeskreis Platte. Es gab ruhige Lieder und richtige Hits. Manche Sachen laufen einfach durch und einige bleiben für lange Zeit hängen und im Ohr. Schön. Danke für die gute Zeit und vor allem danke, dass mein Praktikum eben keine Quadratur des Kreises war sondern sehr angenehm und abwechslungsreich. Ob man im Planungsstab immer an mich denken muss, wenn es regnet weiß aber wohl nur Max Herre selbst.

Anna Stützle, Praktikantin im Stadtmuseum Stuttgart im Mai 2016

zurück zur Übersicht

Schreibe einen Kommentar

Dein Kommentar wird unter unten angegebenem Namen veröffentlicht. Deine Email-Adresse wird nicht angezeigt. Hinweise zum Datenschutz findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

− 1 = 4