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  • Wandelgang mit Antikenwand

Im Fokus Tübinger Wissenschaftler

Vor ein paar Jahren hat das Landesdenkmalamt in einem Gutachten festgestellt, dass das Städtische Lapidarium, Bestandteil der Museumsfamilie des Stuttgarter Stadtmuseums, eine große Ausnahme in der Museumslandschaft von Baden-Württemberg darstellt. Keine andere Stadt kann eine vergleichbare Sammlung mit einem entsprechenden Bestand in einer vergleichbaren, historischen Gartenanlage aufweisen. Kein Wunder also, dass das Lapidarium auf viele, auch ausländische Besucher, eine Faszination ausübt.

Innerhalb der Gartenanlage nimmt die im Wandelgang angebrachte Antikenwand eine besondere Stellung ein. Die über 200 Objekte, die der ehemalige Gartenbesitzer, Karl Ostertag-Siegle (1860-1924) bei seinen Rom-Reisen vor dem Ersten Weltkrieg wahrscheinlich im Kunsthandel erworben hat, stellen nämlich einen herausragenden Seltenheits- und Originalitätswert dar.

Das hat auch den Lehrstuhlinhaber für Klassische Archäologie an der Universität Tübingen, Prof. Thomas Schäfer, bewogen, zusammen mit Mitarbeitern und Studierenden der Universitäten Tübingen und Stuttgart, die Antikenwand wissenschaftlich zu untersuchen. Ziel des derzeit laufenden Forschungsprojekts ist es, die gesamte Sammlung fachgerecht in einem wissenschaftlichen Katalog zu publizieren. Die Objekte umfassen ein breites Spektrum von griechischen Weihereliefs über Porträtplastik bis hin zu Sarkophagfragmenten und Architekturteilen. Auf einen plakativ-anschaulichen Nenner gebracht, kann die Antikenwand als »Wand-Buch« zur römischen Kunst und zur Grabkunst der Kaiserzeit bezeichnet werden. Daneben ragen auch herausragende Einzelobjekte wie z.B. das Fragment eines Porträts des Kaisers Traian oder ein farbiges Mosaikfragment mit Kranich und Strauß hervor, das wohl als Teil eines luxuriös-dekorativen Bodenbelags das Speisezimmer eines römischen Hauses geschmückt haben dürfte.

Prof. Thomas Schäfer und sein Team erstellen für jedes Objekt ein Formblatt, das den Erhaltungszustand erfasst, detailliert beschrieben und datiert sowie mit gleichen oder ähnlichen Stücken verglichen und in den aktuellen Forschungsstand eingeordnet wird. Den Abschluss bildet eine ausführliche Literaturliste. Jedes Objekt wird mit einem Foto abgebildet. Von besonders interessanten Fragmenten werden Gipsabgüsse angefertigt. Dabei wird die Vorlage mit einem Trennmittel eingestrichen, damit sich die Negativform später leichter lösen lässt. Dann wird in mehreren Schichten Silikonkautschuk aufgestrichen. Um die Wandungsstärke besser beurteilen zu können, wird eine Silikonschicht grün eingefärbt. Zur Stabilisierung der flexiblen Silikonschicht wird darüber eine feste Formschale aus Epoxidharz aufgebaut. Nach weiteren Arbeitsschritten wird zuletzt in mehreren Etappen flüssiger Gips in die Form eingegossen. Nach dem Abbinden des Gipses wird die Formschale wieder abgenommen und die Silikonform von dem neu entstandenen Abguss abgezogen. Vorlage und Abguss sind identisch.

Infos & Öffnungszeiten des Städtischen Lapidariums

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