• Ordentliche Beschriftung erleichtert die Suche.
  • Feinbestickt und deutlich im Bild wiederzuerkennen.
  • Der erste Fund des ersten Tages. Juchhei!
  • Tuch und Bluse...Vor dem Fund der Weste.
  • Die rote Weste aus Böhmen.
  • Sicherlich der deutlichste Fund. und vermutlich eines der wenigen Stücke, das nicht eigens angefertigt wurde.
  • Kiste Nr. 1 von...vielen.
  • Unser vollständigster Fund: 2 x Jacke, 2 x Hemd und 1 x Hut.
  • WESTE und weste, BLUSE und bluse aus der Batschka.
  • Der Raum.
  • Diese 5 Kartons kommen dann irgendwann zu uns.

Kleidersuche in Berlin

Ach, Dauerausstellung, alter Hut. Wer was auf sich hält, plant neben der Dauerausstellung einfach mal die erste Sonderausstellung parallel mit. Mit alten Hüten. Denn im Jahre 2017 wird das funkelniegelnagelneue Stadtmuseum eröffnen. Funkelniegelnagelneu? Nicht ganz. Auch wir haben bereits eine Geschichte…

…und zwar vor allem deshalb, weil wir unser Museum in den historischen Mauern des Wilhelmspalais eröffnen und wir wären schlechte Historiker, wenn wir die vielfältige Geschichte unseres eigenen Hauses nicht thematisieren würden. Und nach dem Motto „wenn, dann richtig“ wird die erste Sonderausstellung, die zeitgleich mit der Dauerausstellung eröffnet, sich eben dieser Hausgeschichte widmen.

Für meine Generation, für die das Ausbrennen des Palais 1944 und der Wiederaufbau durch Wilhelm Tiedje in den 1960ern weit weg sind, war der Säulenbau am Charlottenplatz zunächst mal nur die Stadtbücherei. Irgendwann erfuhr man dann, meist im Zusammenhang mit dem kupfernen Wilhelm und seinen Hunden, von Teilen der Hausgeschichte und warum das Gebäude den Namen Wilhelmspalais trägt. Andere Teile dieser Geschichte sind weniger im öffentlichen Bewusstsein präsent. So zum Beispiel die Nutzung des Palais als „Volksmuseum der Auslanddeutschen“ während des Dritten Reiches. Stuttgart war die „Stadt der Auslandsdeutschen“ und stellte in der vom Deutschen Auslandsinstitut (DAI) getragenen Dauerausstellung im Wilhelmspalais (damals: Ehrenmal der Deutschen Leistung im Ausland) das Leben und Brauchtum „volksdeutscher“ Gruppierungen im nicht-deutschen Ausland aus.

Teil dieser Ausstellung war eine Trachtenausstellung. Diese bestand aus unterlebensgroßen Puppenpärchen, die eigens dafür angefertigte Trachten der jeweiligen Region präsentierten. Dazu gehörte beispielsweise Siebenbürgen, die Batschka, Böhmen-Mähren und, erstaunlicherweise, Zürich. Zürich? Zürich… Von dieser Ausstellung besitzen wir Postkarten und sogar detaillierte Einzelfotos, die Trachtenpuppen selbst waren vermeintlich verschwunden – dachten wir. Denn eines schönen Tages kam eine Anfrage aus dem Museum Europäischer Kulturen in Berlin-Dahlem, da seien diese Kisten, aus Stuttgart, mit Trachten und man sei auf der Suche nach Informationen. Ein erster Besuch im letzten Jahr und ein Abgleich mit den Bildern zeigte recht schnell, dass in den beinah 25 Kisten sich in der Tat die Trachtensammlung des DAI befindet. Das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), das 1949 das DAI institutionell abgelöst hatte und uns gegenüber im ehemaligen Waisenhaus an der Planie sitzt, hatte in den frühen 1990er Jahren die Trachtengruppe und die Trachtensammlung als Dauerleihgabe nach Berlin gegeben, wo die Bestände seither darauf warteten, von uns wieder entdeckt zu werden.

Und so kam es, dass ich in meinem gerade mal zweiten Monat im Dienst des Stadtmuseums zu meiner zweiten Dienstreise aufbrechen durfte. Gemeinsam mit unserer Sammlungsleiterin Edith Neumann verbrachte ich vier Tage in den Textilwerkstätten des Museums damit, eine Kiste nach der anderen auszupacken, jedes Stück nach Markierungen abzusuchen, mit den Fotos zu vergleichen und Funde gleich zu dokumentieren. Recht bald wurde deutlich, dass in den Kisten nicht nur Trachten aus der Trachtengruppe waren, sondern vor allem auch viele Kleidungsstücke, die zur Sammlung von lebensgroßen, oft auch in Umzügen genutzten Trachten gehörten. Diese Trachten dienten als Vorbild für die kleinen, eigens angefertigten Trachten, die den Puppen angezogen wurden. Und siehe da, am Montag um genau 13.45 Uhr hatten wir das erste Erfolgserlebnis, als wir das farbenprächtige Kopftuch einer Frau aus Böhmen-Mähren fanden. Und bis zum Donnerstag, als wir uns ans einpacken und aufräumen machen mussten, haben wir es tatsächlich geschafft, einige der Puppenpärchen zumindest teilweise zu rekonstruieren. Von den einen fanden wir aufwändigen Hutschmuck aus Blumen, mit Namen und Jahr bestickte Schürzen (beides Siebenbürgen), von anderen Kombinationen aus Jacke, Hemd und Hut (Rossberg) und im Falle der Dame aus Böhmen-Mähren konnten wir zum Kopftuch noch die fein bestickte Bluse und die auffällig rote Weste ergänzen. Die war übrigens, analog zum Kopftuch am Montag, das Kleidungsstück, das wir Donnerstag mittag, ganz am Schluss, als wir eigentlich schon aufgeräumt hatten, mit Hilfe einer Abbildung in der Literatur identifizieren konnten. Und ganz schnell noch in die Kisten mit den Objekten packten, die wir als Leihgabe für unsere erste Sonderausstellung haben wollen. Dann werden die Trachten die Geschichte des Hauses in der NS-Zeit repräsentieren.

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