• Werbefigur Hugendubel, Bulldogge mit Stockschirm
  • Porzellanbulldogge der Firma Goebel um 1930
  • Bully der Firma Steiff, 1935
  • Hugendubel-Straßenbahnwerbung, 1940er Jahre
  • Hugendubel-Straßenbahnwerbung, 1960er Jahre
  • Hugendubel-Werbung, Anfang 1960er-Jahre
  • Werbefigur Hugendubel, Bulldogge mit Stockschirm

Die Bulldogge mit dem Stockschirm oder: Hat jemand seinen Hugendubel vergessen?

Die Bulldogge mit dem Schirm der Firma Hugendubel im Maul war eine beliebte Werbefigur. Sie stand in allen Ladengeschäften, nicht nur in Stuttgart, in denen Hugendubelschirme verkauft wurden. Wir haben sie, zu unserer Freude, von der Familie Hugendubel geschenkt bekommen, und man wird sie ab 2017 im neuen Stadtmuseum in der Dauerausstellung sehen können. Sie ist selten, nur wenige Exemplare sind erhalten, denn sie ist sehr zerbrechlich. Aktuell wird die handbemalte Gipsfigur wegen kleiner altersbedingter Fehlstellen am Sockel restauriert.

Die Bulldogge mit dem Stockschirm erzählt nicht nur die Geschichte der bekannten Stuttgarter Schirmfabrik Hugendubel, sondern sehr viel mehr. Sie ist ein sprechendes Zeitbild.

Die Firma Hugendubel wird 1833 gegründet und entwickelt sich zur drittgrößten Schirmfabrik in Deutschland und zum Königlichen Hoflieferanten des letzten Königs von Württemberg. Im Jahr 1999 muss Hugendubel infolge des weltweiten Angebots an Billigschirmen sein großes Geschäftshaus in der Hirschstraße schließen.

Der „Stockschirm“ ist eine Erfindung der Schirmfabrik Hugendubel GmbH & Co KG. 1909 wurde die Wort-Bildmarke Stockschirm Hugendubel beim Deutschen Patent- und Markenamt für Waren und Dienstleistungen der Klasse(n) 18 zur Registrierung angemeldet. Ein zumeist schwarz bezogener Männerschirm bekommt durch Überstülpen von ineinander greifenden Röhrensegmenten aus bemalter und lackierter Pappe in täuschend echter Holzoptik eine Hülle und wird so zu einem Spazierstock. Die zusammenschiebbare Stockhülse kann leicht entfernt werden, in der Tasche des Trägers verschwinden, und der Schirm kommt schnell zum Einsatz. Das Prinzip ist einfach und genial, die Stockschirmkonstruktion ist handwerklich anspruchsvoll, und die Werbefigur des apportierenden Hundes trifft den Geist der Zeit noch ehe der Bulldoggen-Hype begonnen hat.

Die englische Bulldogge ist ein Hund, der zeitweilig und modeabhängig hohe Sympathiewerte erlangt. Sie ist grimmig im Aussehen, aber liebenswürdig im Wesen, was sie zum idealen Begleiter macht. Bulldoggen wurden ursprünglich als Bullenbeißer gezüchtet. Sie sollten Bullen an der Nase packen und zu Boden ziehen. Deshalb sind sie standfest, mit stämmigem Körperbau, breiter Brust und viel Kraft im Nacken- und Kieferbereich. Ihr großer Kopf mit kurzer Nase und vorstehendem Unterkiefer, dem Vorbiss, ermöglicht ihnen festes und langes Zupacken, ohne selbst zu ersticken. Darüber hinaus gelten sie als loyal, anhänglich, spiellustig und sehr empfindsam. Alle diese Merkmale und Eigenschaften hielt die Firma Hugendubel wohl für ausreichend überzeugend, angemessen und richtig bei der Auswahl ihres robusten Stockschirmträgers. Sie hatte gut gewählt und profitierte von der Hundemode.

In den 1930er Jahren brachte der Stofftierhersteller Steiff eine niedliche Bulldogge mit echtem Dachshaarhalsband namens Bully auf den Markt, auch die Porzellanfabrik Goebel stellte pflegeleichte knautschgesichtige Bulldoggen für die Fans dieser Hunderasse her. Der wohl bekannteste Liebhaber lebendiger Bulldoggen ist Winston Churchill, zu dessen Alter Ego sie wurden. Als Junge verkaufte er im Internat sein Fahrrad, um dafür eine Bulldogge  zu erstehen.

Die Hugendubel-Bulldogge hielt sich bis über den Zweiten Weltkrieg hinaus, nicht nur als Gipsfigur und Marke, sondern auch in Fotomontagen mit echten Tierporträts. Seit den 1940er Jahren hatte das Unternehmen allerdings eine neue Werbestrategie gefunden, die deutlich schlagkräftiger war und vielen Stuttgarterinnen und Stuttgartern noch vertraut ist. Sie warb in den Zügen der Stuttgarter Straßenbahn mit Schildern: „Vergiß nicht Deinen Hugendubel-Schirm!“, auf denen ein freundlicher Schaffner Fahrgästen den vergessenen Schirm nachreicht. Dieser Werbespruch samt der charmanten Grafik mit der typisch gelben Straßenbahn wurde buchstäblich zum geflügelten Wort. Bald hieß es nur noch: „Vergiß nicht Deinen Hugendubel“. Der Markenname wurde zum Synonym für den Schirm selbst. Besser kann Werbung nicht funktionieren.

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