Sammlung
Die digitale Sammlung
Viele Objekte aus der Sammlung des StadtPalais findest du hier:
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Wenn du Objekte, Dinge, Fotos, Videos oder Geschichten hast, die etwas über Stuttgart erzählen, melde dich. Wir möchten, dass sich alle Stuttgarter*innen in unserer Sammlung wiederfinden können.
Kontakt:
Tel 0711/216 258 00
E-Mail stadtpalais-sammlung@stuttgart.de
Sammlungskonzeption
Wir sammeln Dinge, die Stuttgarter Stadtgeschichten erzählen.
Wir sammeln die Gegenwart.
Wir sammeln Objekte und Geschichten aus dem Alltag und der täglichen Arbeit.
Wir sammeln Erfindungen und Technik.
Wir sammeln Migrationsgeschichte.
Wir sammeln Architekturmodelle.
Wir sammeln LSBTTIQ-Geschichte.
Wir sammeln Zeugnisse unserer multireligiösen Gesellschaft.
Und vieles mehr…
Die Schwerpunkte unserer Sammlung und wie wir sammeln findest du in unserer Sammlungskonzeption.
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Sammlungsgeschichte
Das Museum für Stuttgart betreut eine Sammlung von über 15.000 stadthistorisch bedeutsamen Objekten. Im Jahr 2007 wurden die Objekte der „Stadtgeschichtlichen Sammlung“ des Stadtarchivs dem neu gegründeten „Planungsstab Stadtmuseum“ übergeben, der für den Aufbau des neuen Museums für Stuttgart im ehemaligen Wilhelmspalais beauftragt war.
Seit 2007 hat der „Planungsstab Stadtmuseum“ die wissenschaftliche Inventarisation und Aufarbeitung des vorhandenen Objektbestandes einschließlich aller konservatorischen- und Restauriermaßnahmen übernommen. Gleichzeit wurde eine museale Sammlungskonzeption in Schriftform ausgearbeitet und erstmals eine Sammlungsstrategie definiert und online transparent gemacht.
Mit der Eröffnung des Museums im Jahr 2018 ging die Sammlung in die Verwaltung und Pflege des StadtPalais – Museum für Stuttgart über. Das Museumsdepot befindet sich seit 2011 in neuen, klimatisierten Räumen in Bad Cannstatt. Seit dem 13. April 2018 sind mehr als 300 Objekte aus der Sammlung in der Dauerausstellung „Stuttgarter Stadtgeschichten“ im StadtPalais zu sehen.
Wie alles begann
Die Anfänge unserer Sammlung gehen auf das Archiv der Stadt Stuttgart zurück. Das 1928 gegründete Archiv der Stadt Stuttgart, das in dem 1905 erbauten Rathaus Platz fand, sammelte neben historischem Schriftgut auch Objekte wie Stadtansichten, Münzen, Silber, Gemälde zur Stadtgeschichte.
Das erste Objekt, das in die „Stadtgeschichtliche Sammlung“ aufgenommen wurde, war eine Ortsschelle aus Hofen, die 1929 in die Verwahrung des Stadtarchivs übergeben wurde. Neben der Überlieferung von Objekten aus verschiedenen Ämtern der Stadt, wie z. B. Polizeisäbeln oder Feuereimern, wuchs die Sammlung seit 1934 durch gezielte Ankäufe bei verschiedenen Händlern und durch Stiftungen von Einzelpersonen stetig an. Die Sammlung wurde damals in den Dachgeschossräumen des Rathauses und im Gustav-Siegle-Haus magaziniert.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs begannen 1939 die Vorsorgen für die Auslagerung der Archiv- und Sammlungsbestände. 1941 siedelte das Archiv aus dem Rathaus schutzsuchend vor dem Luftkrieg in den Salamanderbau in der Königstraße über. Weitere Teile der Stadtgeschichtlichen Sammlung wurden nach Rot an der Rot, nach Löwenstein, in das Schloss Isny, nach Kirchheim u. T. und nach Reusten bei Tübingen verlagert. Doch trotz dieser Vorkehrungen wurde ein Großteil der Bestände durch die Kriegseinwirkungen, Brände und Plünderungen, zerstört.
Im Jahr 1947 begann der Wiederaufbau des Stadtarchivs und die Rückführung der Bestände nach Stuttgart. 1951 wurde das Archiv im Rathaus neu eingerichtet, die Magazine befanden sich in den Kellerräumen. Aus Platzmangel wurden seit 1952 Bestände der Sammlung in verschiedenen Gebäuden der Stadt untergebracht. 1972 wurde das Archiv am neuen Standort in einer ehemaligen Druckerei in der Tübingerstraße eingerichtet bis es 2011 neue, funktional und konservatorisch adäquate Räume in Bad Cannstatt bekam.
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Sammlung im Nationalsozialismus
„Jetzt ist mehr denn je Gelegenheit, unsere stadtgeschichtliche Sammlung durch wertvolle Erwerbungen abzurunden und auszubauen; eine Gelegenheit, wie sie sich kaum je wieder so bald bieten wird.“
So sprach sich der erste Archivleiter Karl Stenzel für den Ankauf von Objekten für die „Stadtgeschichtliche Sammlung“ im Jahr 1935 aus. Mit dieser „Gelegenheit“ meinte Stenzel nichts anderes als die Vielzahl von Kulturgütern, die in Folge der nationalsozialistischen Verfolgung auf den Kunstmarkt geschwemmt wurden. Unzählige Erbstücke und Wertgegenstände, vorrangig aus jüdischem Besitz, wurden geraubt oder unter Zwang verkauft, Sammlungen wurden unter Druck aufgelöst oder direkt vom Staat beschlagnahmt. Insgesamt wurden aus der heute rund 12.000 Objekte umfassenden Sammlung mindestens 1.442 Gegenstände in der Zeit des Nationalsozialismus erworben. Seit Juni 2016 wird deren Herkunftsgeschichte im Rahmen eines vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projekts erforscht.
Der Germanist und Historiker Karl Stenzel (1889-1947), der ab 1928 das neu gegründete Stuttgarter Archiv leitete, verantwortete damit eine Ankaufspolitik, die Vorteile aus den nationalsozialistischen Enteignungsprozesse jüdischer Menschen und anderen Verfolgter zog. Seit 1937 nahmen die Neuzugänge der Sammlung auf eklatante Weise stetig zu. Stenzel, der 1933 Mitglied der NSDAP wurde, verließ zum 1. Juni 1939 den städtischen Dienst in Stuttgart. Von da an ging seine Karriere im Nationalsozialismus stetig aufwärts. Er war später in hohem Maße an der Beraubung des Eigentums der jüdischen Bevölkerung im Elsass beteiligt.
Auch unter Stenzels Nachfolger, Hermann Vietzen (1902-1984), herrschte eine ähnliche Ankaufspolitik, die von der Stadtpolitik aktiv unterstützt wurde. 1939 übernahm Vietzen die Leitung des Archivs – im selben Jahr wurden zwei große Konvolute Gebrauchssilber bestehend aus Leuchtern, Bechern und Bestecken erworben, die Juden im Zuge der NS-Raubpolitik zwanghaft abgeben mussten. Das Archiv pflegte zudem einen intensiven Austausch mit Händlern, die nachweislich mit jüdischem Besitz handelten. Der Verdacht liegt nahe, dass dabei auch vor verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern nicht Halt gemacht wurde. Nicht zuletzt zeugen Ankäufe wie der „Große 8flammige Kerzenlüster aus der Stuttgarter Synagoge“ im Jahr 1940 von einer bedenklichen Erwerbslage von Teilen der Archivsammlung.
Die personellen Kontinuitäten der nationalsozialistischen Vergangenheit lassen sich noch bis in die späten 1960er Jahren aufzeigen: Am 1. Mai 1957 trat Vietzen, nachdem er wegen seiner Zugehörigkeit zur NSDAP am 29. September 1945 den städtischen Dienst verlassen musste, erneut das Amt des Stadtarchivleiters an. Dieses führte er bis zu seiner Pensionierung 1968 aus.
Silberobjekte aus jüdischem Besitz: Sie wurden 1939 von der Städtischen Pfandleihanstalt für die Sammlung angekauft. Aufgrund der reichsweiten „Anordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ vom 21.02.1939 im Zuge der NS-Raubpolitik wurden deutsche Juden zur Abgabe von Schmuck, Kunstwerken und Wertgegenständen bei den Pfandleihanstalten gezwungen. Sie durften über den Gegenwert der Objekte nicht bestimmen. Die Objekte sind auf der Lost Art-Datenbank gemeldet.
Verschollen: Von dem „Großen 8flammigen Kerzenlüster“, der aus der Stuttgarter Synagoge stammt, fehlt heute jede Spur. Nur die Karteikarte ist erhalten. Dort ist zu lesen, dass er am 22.04.1940 in Höhe von 130 Reichsmark für die Stadtgeschichtliche Sammlung erstanden wurde. Wie er dorthin kam, ist noch unklar. Bei der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden die Einrichtungsgegenstände der Synagoge von der Gestapo an verschiedene Althändler verteilt, die sie weiterverkauften oder einschmelzen ließen. Ob der Leuchter über diesen Weg in die Sammlung kam, konnte noch nicht nachgewiesen werden. Da das Objekt bis heute nicht wieder aufgefunden werden konnte, muss es bis auf Weiteres als verschollen gelten.